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Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zu Zika
Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zu Zika
Achtung: Zika kommt

Es gibt nicht wenige, die bereits von einer Epidemie sprechen. Denn das Zika-Virus verbreitet sich nicht nur in Mittel- und Südamerika, sondern bereits auch im tropischen Afrika, Asien und den Inseln des Pazifischen Ozeans. Bisher sind rund 60 Staaten bekannt, in denen Zika-Infektionen gemeldet wurden. Und jetzt muss sich Europa wohl ebenfalls "auf die kaum aufzuhaltende Ausbreitung dieser Gesundheitsgefahr vorbereiten", wie Neurologen auf einem Kongreß betonen. Die Gefahr droht von “importierten” Infektionen, also das Einschleppen des Virus durch Reisende in besonders schwer betroffene Regionen.

„Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Das Zika-Virus zeigt nicht nur sein immer hässlicheres Gesicht, sondern auch sein Potenzial für eine globale Ausbreitung”, mahnte Prof. Raad Shakir (London, UK), Präsident der Weltföderation für Neurologie (WFN), auf dem Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Kopenhagen. „Wir sehen eine immer weitere Ausbreitung der Epidemie, und Europa wird sicher nicht davon verschont bleiben.“

Zumindest die Weltgesundheitsorganisaton WHO teilt die Einschätzung einer internationalen Bedrohung durch Zika und hat eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ (public health emergency of international concern – PHEIC) ausgerufen. Doch bisher wird die Bedrohungslage für Deutschland sowohl von der WHO wie vom Robert Koch Institut (RKI) als "gering" eingstuft, weil die Voraussetzungen für eine Ansteckung kaum vorliegen: Die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) kommt in Deutschland nicht vor. Eine andere Mückenart, von der noch nicht abschließend geklärt ist, ob sie das Zikavirus in Deutschland übertragen kann – die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) – kommt nur sehr punktuell in Süddeutschland vor."

Prof. John England, Neurologe an der Louisiana State University in New Orleans und Vorsitzender der WFN-Arbeitsgruppe zum Thema Zika, sieht das ein wenig anders: „...Ich denke, in Europa muss man sich in erster Linie Sorgen über jene Menschen machen, die sich anderswo infizieren, die Infektion nach Europa mitbringen und hier weitergeben. In mehreren europäischen Ländern, unter anderem Frankreich und Deutschland, sind bereits sexuelle Übertragungen bekannt geworden. In Spanien wird ein Fall von Mikrozephalie untersucht und in den Niederlanden wurde ein GBS-Fall als Folge einer von einer Reise mitgebrachten Zika-Infektion registriert. Und jetzt kommt mit den Olympischen Sommerspielen ein ganz besonderes epidemiologisches Risiko auf uns zu. Es wäre unrealistisch zu glauben, dass wir nicht viel mehr importierte Zika-Fälle erleben werden, wenn tausende Athleten und Fans wieder aus Brasilien zurückkommen.“

Außerdem würden die Risiken einer Zika-Infektionen oft falsch eingeschätzt. Erklärt Shakir: „Viele Menschen scheinen immer noch der Meinung zu sein, dass nur Schwangere besorgt sein müssten. Schließlich kann eine Infektion während der Schwangerschaft zu schweren Missbildungen beim Fötus führen, unter anderem zur bekannten Mikrozephalie. Das ist zwar eine besonders tragische Folge einer Ansteckung, aber eine Zika-Infektion kann auch bei Erwachsenen zu schwer wiegenden neurologischen Erkrankungen führen, etwa zum Guillain-Barré-Syndrom (GBS), zu Rückenmark- oder Knochenmarksentzündungen (Myelitis) oder einer Gehirnhautentzündung.”

Noch weiß man allerdings zu wenig über die negativen Wirkungen einer Zika-Infektion auf das Nervensystem. Die mittlerweile vermehrt publizierten Forschungsergebnisse würden jedoch zeigen, so Shakir, dass Kontakt mit dem Zika-Virus das Risiko, an GBS zu erkranken, um das 60fache erhöht. GBS führt aufgrund von immunologischen Effekten des Virus zu Lähmungen. Ohne unterstützende Therapien versterben etwa fünf Prozent der Betroffenen.

Eine spezifische Therapie gegen eine Zika-Infektion steht derzeit nicht zur Verfügung und ein kurzfristig verfügbarer Impfstoff ist nicht in Sicht. Inzwischen wird aber mit Hochdruck daran gearbeitet. Warum die Forschung nicht weiter voran geschritten ist, erklärt das RKI kurz und knapp so: „Bis zum aktuellen Ausbruchsgeschehen in Mittel- und Südamerika war nur bekannt, dass Infizierte meist nicht sehr schwer erkranken. Daher war das Zikavirus bislang kein Kandidat für die Impfstoffentwicklung." Es gibt allerdings auch andere Erklärungen: Weil jetzt die Gefahr einer Ausbreitung in Europa und den USA besteht, macht die Entwicklung eines Impfstoffes erst jetzt wirtschaftlichen Sinn.

Was ist Zika? Wikipedia sagt dazu: „Das Zika-Virus (ZIKV) gehört zur Gattung Flavivirus der Familie Flaviviridae. Es wurde erstmals 1947 aus einem gezielt zum Auffinden des Gelbfiebervirusgefangen gehaltenen Rhesusaffen (einem sogenannten Markertier oder sentinel monkey) einer Forschungsstation im Zika Forest in Entebbe, Uganda, isoliert und nach dem Ort benannt.[1][2] Das Virus kommt endemisch in Afrika und Südostasien vor und die verschiedenen Virusstämme werden deshalb in eine afrikanische und eine asiatische Gruppe unterteilt.[3][4] Da Infektionen mit dem Zika-Virus und neu beobachtete Schädigungen von Föten bei Schwangeren seit 2015 erstmals und zugleich gehäuft in Lateinamerika beobachtet werden, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 1. Februar 2016 den 'Öffentlichen Gesundheitsnotstand internationalen Ausmaßes'."

Die Gefahren für Erwachsene beschreibt das Bundesgesundheitsministerium so: Allgemein nimmt die Zika-Infektion einen eher milden Verlauf. Nur ein Viertel der Betroffenen entwickelt überhaupt Symptome (z. B. erhöhte Körpertemperatur, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Bindehautentzündung. In der Regel heilt die Infektion folgenlos ab. Schwere Verläufe wurden vereinzelt bei Personen mit gravierenden Grunderkrankungen beobachtet. Als mögliche Komplikation wurde das Guillain-Barré-Syndrom beschrieben. Die Nervenkrankheit kann bei verschiedenen Infektionen als sehr seltene Folge auftreten. Generell gilt: Schwere Verläufe beim ZIKV sind selten."

30.05.2016/ Quelle: European Academy of Neurology

Robert Koch Institut

Bundesministerium für Gesundheit

Centers for Disease Control and Prevention (USA, in Englisch)

 
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