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E-Zigarette: Viele unbeantwortete Fragen

Wenn man den Berichten glaubt, dann hat sich der Gebrauch von E-Zigaretten drastisch erhöht. Viele meinen, mit E-Zigaretten die gesündere Alternative zu wählen und viele hoffen auch, sich dem Rauchen zu entwöhnen. Doch ob das funktioniert und ob E-Zigaretten wirklich die Gesundheit schonen, das bleibt umstritten.

Der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) kann nur Gutes berichten. Die Zahl der E-Zigaretten-Nutzer hat sich von 3 Mio. (2015) auf 3,7 Mio. (2017) erhöht. Das Statista-Portal nennt für 2017 einen Branchenumsatz von 600 (2016: 420, 2014: 200, 2012: 70) Mio. Euro. Mit Bezug auf Ergebnisse einer im Dezember 2015 veröffentlichten Studie sind laut VdeH 91% aller E-Zigarettennutzer sind ehemalige Tabakraucher. Nur 8% nutze sowohl die E-Zigarette als auch die Tabakzigarette und falle damit in die Kategorie „Dual-User“. Und nur 1% der Befragten seien Neueinsteiger, die vorher nicht geraucht haben. Also alles gut, die Prävention gelingt?

Ganz so einfach scheint es nicht zu sein. Prof. Dr. Reiner Hanewinkel vom Institut für Gesundheitsforschung, IFT-Nord gGmbH,  aus Kiel berichtet über eine monatliche Erhebung in Großbritannien mit rund 200.000 Menschen. In England sei „anfangs für die E-Zigarette zur Raucherentwöhnung geworben“ worden.  Hanewinkel stellt fest, dass dies „zwar zu einem deutlichen Anstieg ihres Gebrauchs geführt, aber zu keinerlei Rückgang des normalen Zigarettenrauchen“ geführt habe. Und er betont, dass E-Zigaretten ganz besonders deshalb abzulehnen seien, „weil sie bei Jugendlichen als Einstieg zum Zigarettenrauchen dienten, wie er an umfangreichen Untersuchungen an Schulkindern demonstrierte“.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hat kürzlich folgendes zu E-Zigaretten zusammengefaßt: „E-Zigaretten enthalten eine sehr große Zahl von Substanzen unterschiedlichster Art, deren gesundheitliche Auswirkungen weitgehend unbekannt bzw. überhaupt nicht abzuschätzen seien. Ganz abgesehen von den Atherosklerose und Bronchialkarzinome fördernden Eigenschaften des – auch in vielen  E-Zigaretten enthaltenen – Nikotins  wurden für Zimtaroma in Zellkulturen zytotoxische Effekt gefunden, krebserzeugend (Kategorie 1) seien tabakspezifische Nitrosamine,  Formaldehyd, der beim Erhitzen des Liquid entsteht, auch Chrom und Nickel (vom Docht und von den Lötstellen);  Blei wird als möglicherweise krebserzeugend (Kategorie 2B) eingestuft. Es wurde tatsächlich bereits eine Assoziation zwischen dem Gebrauch von E-Zigaretten und Herzinfarkt gefunden.“

Im August 2018 hat eine Studie den Zusammenhang zwischen E-Zigaretten und einem Herzinfarkt untersucht. Demnach steigert tägliches E-Zigarettenrauchen das Risiko für einen Herzinfarkt um durchschnittlich 79%, bei einer Tabakzigarette sogar um durchschnittlich 172%. Die Studie ermittelte auch das Herzinfarktrisiko für bestimmte Erkrankungen: bei akutem Bluthochdruck erhöhte sich die Herzinfarktgefahr um 132%, bei hohem Cholesterin um 136%, bei Diabetes um 77% und pro 10 Jahre Alter mehr um 65%.

In der Fachzeitschrift Pneumologie wurde ebenfalls 2018 eine gesundheitliche Bewertung von E-Zigaretten und deren potenziellem Nutzen für Raucher veröffentlicht. Darin wird betont, dass es zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Inhalation von E-Zigaretten-Aerosolen noch Daten fehlen. Studien hätten „im E-Zigaretten-Aerosol verschiedene gesundheitsschädliche Substanzen nachgewiesen, darunter auch Kanzerogene, allerdings in niedrigerer Konzentration als in Tabakrauch. Die vorliegenden Studien deuten darauf hin, dass E-Zigaretten-Konsum zu kurzfristigen Gesundheitseffekten wie entzündlichen Reaktionen in der Lunge führt. In Tier- und Zellversuchen zeigte E-Zigaretten-Aerosol gesundheitsschädliche Effekte wie Zytotoxizität, verstärkte Infiltration von Entzündungszellen und entzündungsfördernden Zytokinen, erhöhten oxidativen Stress und moderate Entzündung.“

Wahrscheinlich sei der E-Zigaretten-Konsum im Vergleich zum Tabakrauchen „weniger schädlich“. Da E-Zigaretten-Aerosol eine neue Quelle für die Belastung der Raumluft sei, könne man davon ausgehen, „dass es für im Raum anwesende Nichtkonsumenten eine Gesundheitsgefährdung bedeutet, insbesondere für vulnerable Personengruppen wie Kinder oder Menschen mit Gesundheitsproblemen“.

Untersucht wurde auch, ob E-Zigaretten tatsächlich zur Rauchenentwöhnung führen. Dazu wurden Daten einer zwischen 2006 und 2016 durchgeführten Raucherstudie ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass das Rauchen von E-Zigaretten nicht zur einer Verminderung des Rauchens generell oder der Entwöhnung führte. Es zeigte sich, dass E-Zigaretten genauso wenig erfolgreich zu einem Stopp-Smoking führten wie Nicht-Raucher-Therapien. Das Fazit der in England durchgeführten Studie: Die zunehmende Nutzung von E-Zigaretten unter englischen Rauchern hat nicht zu einer meßbaren Veränderung des täglichen Zigarettenkonsums geführt.

Die Universität Mainz hat E-Zigaretten bewertet und sagt, dass Tabakrauch mehr als 70 verschiedene krebserregende Substanzen enthält. Aerosole von E-Zigaretten enthielten viel weniger Schadstoffe, allerdings auch entzündungsfördernde, reizende und sogar krebserregende Substanzen. Das Bundesinstitut für Risikoforschung und das Deutsche Krebszentrum würden deshalb davor warnen, das Gefahrenpotenzial von E-Zigaretten zu unterschätzen. Und eine Dokumentation des NDR fasst die Ergebnisse so zusammen: „Die Basis des Liquids besteht aus Propylenglykol, einem Stoff, der auch als Disco- oder Theaternebel eingesetzt wird. Dieser Dampf kann Augen- und Atemwegsirritationen auslösen. Bislang ist unklar, welche Folgen es hat, wenn man sich langfristig dieser Substanz aussetzt. Mit dem Dampf gelangen feinste Partikel bis tief in die Lunge und können sich dort ablagern.“

Interessant ist auch eine Untersuchung, wie Werbung von E-Zigaretten den Gebrauch beeinflußt. Beobachtet wurden 6902 Studenten in Deutschland. 38,8% hatten E-Zigaretten-Werbung gesehen. Diese beeinflußte das Rauchverhalten und erhöhte die Nutzung von E-Zigaretten. Aber nicht nur die, auch der Gebrauch von Tabakzigaretten erhöhte sich.

15.1.2019 cs / Quelle: ERJ, Thieme, BMJ, PubMed

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