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Testosteron gegen Demenz: Wirksamkeit umstritten

Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl fast verdoppeln. Eine wirkliche Therapie oder gar Heilung gibt es bisher nicht. Ob Testosteron ein wirksames Mittel sein kann, ist bisher nicht erwiesen. Umso wichtiger sei daher die Vorbeugung in der jungen und mittleren Lebensphase, weil damit erwiesenermaßen ein Drittel aller Demenz-Erkrankungen verhindert werden könnten, sagt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM).

 „Viele Menschen haben Angst vor Demenzerkrankungen, weil mit ihnen ein Verlust der kognitiven Fähigkeiten und damit der Selbstständigkeit im Alter einhergehen – unter Umständen sogar dann, wenn der Patient ansonsten noch körperlich fit ist“, weiß Prof. Dr. Cornel C. Sieber, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg. Die vielen unterschiedlichen Formen der Demenz beträfen unter anderem das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und die Persönlichkeitsstruktur.

Eine Ursache für diese Erkrankungen kann die Abnahme von körpereigenen Sexualhormonen wie Testosteron oder Östrogen im höheren Alter sein. Diese Hormone schützen die geistigen Funktionen. Ihre geringere Ausschüttung im Alter sei aber nicht die alleinige Ursache für eine Demenz: Andere Hormone, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Stoffwechselstörungen, ein geringes Bildungsniveau oder eine genetische Veranlagung spielen ebenso eine wesentliche Rolle.
 
Bei Untersuchungen an Nervenzellen und in Tierversuchen hat man nun festgestellt hat, dass künstlich in den Körper eingebrachtes Testosteron die Zellen schützen und bei Mäusen den Ausbruch einer Demenz verzögern und die Symptome lindern kann. Lieber erklärt, dass sich Ergebnisse aus Zellkulturen oder Tierversuchen aber nicht einfach auf den Menschen übertragen lassen, weshalb in den letzten Jahren wissenschaftliche Studien mit Männern mit oder ohne Demenz durchgeführt wurden. In einigen Untersuchungen brachte die Hormonersatztherapie immerhin eine Risikoverminderung um 29% bis 44%.

Die Ergebnisse sind aber äußerst widersprüchlich, weshalb Sieber nur eine Empfehlung aussprechen kann: „Die Einnahme von Testosteron bei einer Demenz ist deshalb im Moment nicht angezeigt.“ Bevor Sexualhormone als Therapie gegen Demenz eingesetzt werden könne, müssten weitere wissenschaftliche Studien durchgeführt werden, die die positiven Auswirkungen eindeutig belegen.

Warnt Sieber: „Schließlich muss man auch berücksichtigen, dass viele ältere Menschen sowieso schon mehrere Medikamente einnehmen. Die Gabe eines jeden weiteren Wirkstoffes muss sorgfältig erwogen werden, damit es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt – nebst dem Umstande, dass eine Testosterongabe per se Nebenwirkungen haben kann.“
 
Deshalb komme der Vorbeugung ein besonderes Augenmerk zu, betont die DGIM. Als eine Chance gilt das Senken des Bluthochdrucks. Ein Blutdruck unter 150 mm Hg reduzierte die Erkrankungshäufigkeit an Demenz um ca. 14% und verlangsamte den Abbau der Gehirnleistung deutlich. Verhindert werden sollten Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Depressionen. Förderlich sind körperliche, geistige und soziale Aktivitäten. 

Und eine gesunde Ernährung - bevorzugt eine mediterrane Diät. Das hat eine Studie mit 447 Gesunden in einem Durchschnittsalter von 67 Jahren gezeigt. Alle ernährten sich mit der Mittelmeerküche, das erste Drittel bekam zusätzlich 1 Liter Olivenöl pro Woche, das zweite Drittel 30 Gramm gemischte Nüsse täglich und das dritte Drittel wurde angewiesen, die Fettzufuhr zu reduzieren. Diese Ernährungsweise wurde vier Jahre lang überwacht. Im Vergleich zur dritten Gruppe blieb die kognitive Leistungsfähigkeit der Teilnehmer in den beiden anderen Gruppe besser erhalten. In keiner der drei Gruppen wurde ein Fall von Demenz diagnostiziert.

cs 22.9.2017/ Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), The Lancet

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