Ein schönes Zuhause: Doch Feinstaub lauert auch in den eigenen vier Wänden
Feinstaub: Auch in der Wohnung droht Gefahr

Experten stufen Feinstaub als ernste Gefahr für die Gesundheit ein. Dabei meinen sie vor allem den Feinstaub, der im Straßenverkehr durch die Auspuffgase der Autos entsteht. Doch auch in den eigenen vier Wänden droht Feinstaub, den manche Wissenschaftler sogar als noch unheilvoller bewerten.

Feinstaub wird meist an stark befahrenen Straßen und in der Nähe von vielen Industrieanlagen in hohen Konzentrationen gemessen. Tempolimits, Fahrverbote oder Straßensperrungen für Lastwagen sind die möglichen Konsequenzen. Denn die winzigen Staubteilchen entstehen vor allem bei Verbrennungsprozessen.

Mancher Experte ist jedoch der Meinung, dass es in den eigenen vier Wänden weitaus gefährlicher ist als an der Straßenkreuzung. Beispielsweise Professor Michael Braungart, Gründer und Leiter des Hamburger Umweltinstitutes: Die Luft in Innenräumen sei wesentlich relevanter und schlechter als die Außenluft. Dabei gibt es für die Innenraumluft nicht einmal gesetzliche Regelungen. Als Schadstoffquellen für die Innenraumluft nennt Braungart besonders Laserdrucker und Kopierer. Auch der Staub unterm Sofa, der Tabakqualm und der Staubsauger sollen die Luft in Innenräumen verpesten.

Dagegen hält Professor Erich Wichmann vom Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GSF) in Neuherberg bei München nur Feinstaubkonzentrationen im Freien für gesundheitsrelevant. Auch Dr. Heinz-Jörn Moriske, Fachgebietsleiter für Innenraumhygiene beim Umweltbundesamt in Berlin, schätzt Dieselrußpartikel von Kraftfahrzeugen als besonders gesundheitsbedenklich ein, auch wenn die Luftbelastung in Innenräumen im Einzelfall höher sein könne als auf der Straße. Der Feinstaub von draußen könne durch die Fenster in die Wohnungen gelangen. „Wenn ein Mensch dann zusätzlich raucht und ein Öllämpchen brennt, dann kann das Gesundheitsrisiko in der Summe größer sein als auf der Straße“, so Moriske.

Ob zu Hause oder im Büro – 90 Prozent des Tages hält sich der Mensch in geschlossenen Räumen auf. Die Ausdünstungen können das Geruchsempfindungen beeinträchtigen, Schleimhäute von Augen, Nase und Rachen reizen sowie sich auf das Nervensystem auswirken. Nicht immer hilft Lüften.

Beim Braten, Kochen oder Staubsaugen kann Feinstaub in die Luft gelangen. Im Winter leisten Hausheizungen ebenfalls einen großen Feinstaub-Beitrag. Kerzen, Öllampen, Kamine und Holzöfen sowie Tabakwaren sind weitere Quellen. Doch die Gefahr in der Küche oder beim Staubsaugen sollte man auch nicht überschätzen. Wir leben seit Jahrzehnten mit der Situation – Grund zur Panik besteht nicht, meint das Deutsche Grüne Kreuz (DGK).

Mit relativ einfachen Mitteln lässt sich die Belastung im Alltag zudem deutlich vermindern. Beim Kochen hilft eine Dunstabzugshaube, beim Saugen ein hochwertiger Staubsauger mit Partikelfiltern und guten Staubsaugerbeuteln. Staubpartikel, die der Sauger aufwirbelt, sind meist größere Teilchen, die weniger lungengängig und damit weniger gesundheitsgefährend sind. Moriske, empfiehlt Staubsaugern mit Fein- oder Hygienefilter: „Die Papierfilter halten 99,9 Prozent des Staubes zurück“.

Im Büro gelten als Quelle vor allem Laserdrucker oder Kopierer. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt, beim Wechseln der Kartuschen auf die Sicherheitshinweise der Hersteller zu achten und das Fenster zu öffnen. Außerdem sollten die Geräte vom Fachmann gewartet und repariert sowie beim Kauf auf entsprechende Sicherheits-Prüfzeichen geachtet werden. Der Feinstaub-Ausstoß von Druckern oder Kopierern im normalen Betrieb sei aber äußerst gering. In zentralen Räumen mit Druckern, Kopierern und Faxgeräten sind die Emissionen eher problematisch, aber dort sind keine Arbeitsplätze eingerichtet.

Was ist Feinstaub und woher kommt er?
Feinstaub ist ein Mix aus extrem kleinen, mit freiem Auge nicht sichtbaren Substanzen, die für die Atemwege chemisch irritierendes bis toxisches und Krebs erregendes Potenzial haben. Die kleinen Schwebteilchen haben eine Korngröße unter 10 Mikrometer. Die winzigen Teilchen sind kleiner als ein Zehntel des Durchmessers eines menschlichen Haares und besonders gesundheitsgefährdend. Je kleiner die Teilchen, desto gefährlicher sind sie. Das Gemisch stammt aus Kraftfahrzeugemissionen inklusive Brems-, Gummi- und Straßenabrieb, Industrie- und Hausbrand (Kohleverbrennung, Holzverbrennung), Streusplitt und Salzstreuung.

Darin enthaltene Aerosole (feine flüssige, feste oder gasförmige Teilchen) und winzige Partikel werden über die Atemluft bis tief in die Lunge inhaliert. Dort wirken sie länger als in den oberen Atemwegen und können zum Beispiel Entzündungen hervorrufen.

Wissenschaftler halten die Belastung mit Feinstaub-Partikeln inzwischen für das schwerwiegendste Problem der Luftreinhaltung. Feinstäube belasten die Atemwege und die Lunge. Die winzigsten Teilchen finden über Atemwege und Blut ihren Weg direkt in viele Organe des Körpers. Insgesamt führt die Feinstaubbelastung zu Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Versagen und Lungenkrebs. Laut einem Bericht, der von der EU-Kommission Anfang 2005 veröffentlicht wurde, sterben allein in Europa pro Jahr 288.000 Menschen vorzeitig an den unsichtbaren Feinstaub-Wolken. Besonders gefährlich ist Feinstaub für kleine Kinder.

Auch die chemische Zusammensetzung des Feinstaubs entscheidet darüber, wie gefährlich er für die Gesundheit ist. Hunderte von Substanzen seien in Schwebstaub nachgewiesen worden, so das GSF, darunter Schwermetalle, Ruß, Kohlenwasserstoffe, Sporen, Pollen, Keime. In der Stadtluft können zudem Schadstoffe an den Staubteilchen hängen.

Die größten Quellen des Feinstaubes sind die Industrie (33 Prozent), der Straßenverkehr durch die Verbrennung von Diesel in Kraftfahrzeugen (ca. 20 Prozent – davon entfällt jeweils die Hälfte auf Individual- und Güterverkehr) sowie Haushalte und andere Kleinverbraucher mit rund 18 Prozent. Die Hauptbelastung in den Innenstädten verursacht allerdings der Verkehr.

Tipps:
  • am besten nass Staub wischen
  • Filter in Staubsauger einbauen
  • viel lüften, an viel befahrenen Straßennur spät abends oder nachts lüften bzw. nicht zu Rush-Hour-Zeiten

WANC 22.07.05/smog

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