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Probiotika: Zweifel an der Wirksamkeit

Viele Menschen mit Darmproblemen nehmen Probiotika, weil die Werbung ihnen Hilfe verspricht. Seit einiger Zeit mehren sich die Zweifel, ob die Versprechungen erfüllt werden können. Studien von Wissenschaftlern vornehmlich des Weizmann Institute of Science in Israel haben nun ergeben, dass Probiotika nicht unbedingt die Gesundung einer angegriffenen Darmflora fördert.

Reizdarm.com schreibt: „Studien konnten bisher zeigen, dass es bei einer regelmäßigen und langfristigen Einnahme zu folgenden postiven Effekten kommen kann: Verminderte allgemeine Symptomschwere, geringere Bauchschmerzen, verminderte Blähungen und Flatulenzen.“ Und Ratgeber Gesundheit vom NDR schreibt: „Neben Probiotika haben auch Präbiotika eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Darm.“ (Sendung vom 18.3.2018)

Dass es nicht ganz so einfach ist, belegt jetzt eine weitere Studie. Darin wurden 25 Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen der einen vier Wochen lang täglich ein Probiotikum mit elf verschiedenen Bakterienstämmen verabreicht wurde. Die andere Gruppe bekam ein Medikament ohne Wirkung. Bei der Kontrolle, wie das Probiotikum auf die Darmflora gewirkt hatte, untersuchten Mediziner, ob sich Probiotika in der Darmflora angesiedelt hatten. Nur wenn das geschieht, besteht die Aussicht auf eine positive Wirkung.

Tatsächlich gab es bei denjenigen, die ein tatsächliches Medikament erhalten hatten, zwei Patiententypen: bei den einen hatten die Probiotika überlebt, bei den anderen eben nicht. Abhängig, so die Mediziner, sei das von der Beschaffenheit der Darmflora. Es gibt Zusammensetzungen im Darm, bei denen die Probiotika offenbar nicht überleben können. 

In einer zweiten Untersuchung wurden 21 Patienten mit Antibiotika behandelt. Der Zustand ihrer Darmflora wurde danach untersucht. Dann wurde bei einem Drittel der Patienten beobachtet, wie sich der Darm ohne Einwirkung erholte, das zweite Drittel erhielt das Probiotikum und das dritte Drittel wurde mit vor der Behandlung entnommen Darmbakterien behandelt, die über eine Sonde eingebracht werden (nennt sich autologes fäkales Mikrobiomtransplantat, aFMT).

Die Probiotika konnten sich meist im Darm ansiedeln, doch konnte sie die Schleimhaut nicht in dem Maße regenerieren, dass der Ursprungszustand erreicht wurde. Tatsächlich gelang in der unbehandelten Gruppe die Wiederherstellung der Darmflora schneller. aFMT schaffte dagegen innerhalb weniger Tage die Gesundung des Darmes.  

Die Mediziner schließen aus diesen Ergebnissen, dass sich Probiotika nur für eine bestimmte Zahl von Patienten eignet. Die meisten würden nicht davon profitieren, im Gegenteil, bei manchen würden Probiotika sogar schaden, weil sie die Erholung des Darmes verzögerten anstatt sie zu befördern. Als wirksamste Behandlung qualifizieren sie die aFMT, die aber bisher nur selten durchgeführt wird, weil sie sehr aufwendig ist.

Schon 2013 hatte eine Untersuchung bei 2.941 Frauen und Männern im Alter über 65 Jahren gezeigt, die Gabe von Probiotika weder die Rate von Durchfallerkrankungen noch die Zahl der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) bedeutend vermindert. Gerade im letzten Fall hatte es viele Hoffnungen gegeben, die durch den Problemkeim C. difficile hervorgerufenen Schädigungen der Darmwand stabilisieren zu können. Doch an einer durch Antibiotika hervorgerufenen Diarrhö erkrankten bei Gabe von Probiotika 10,4%, ohne die Gabe 10,8%, mit Probiotika an einer CDAD 0,8%, ohne Probiotika 1,2%. Das sind alles Unterschiede, die statistisch kaum ins Gewicht fallen, bzw. unter Zufall abgebucht werden können. Die Studienautoren kommen deshalb zu dem Ergebnis: Probiotika zeigten keinerlei Wirkung.

10.9.2018 cs / Quelle: Cell, Lancet

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