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Proteine: In hohen Mengen nicht so gesund wie versprochen

Auch die Ernährung folgt anscheinend gewissen Moden. Viel Eiweiß zu verzehren, wird und wurde als gesunde Ernährung deklariert, um auf die Figur zu achten und die Leistungsfähigkeit des Körpers zu verbessern. Und natürlich hält die Industrie gerne Produkte passend zu diesem Trend bereit. Doch Nahrungsmittel mit einem hohen Proteingehalt sind keineswegs so gesund, wie versprochen.

Unter "Bunte.de - feel fit" (https://www.bunte.de/fitness/abnehmen-ernaehrung/superfood/gesund-essen-protein-food-ein-gesunder-snack-nicht-nur-fuer-sportler.html) kann man es lesen: "Protein-Food – ein gesunder Snack nicht nur für Sportler." Eiweiß sei ein wichtiger Bestandteil der Ernährung, heißt es da. Der Artikel erkennt nur einen Nachteil: Lebensmittel mit hohem Proteingehalt verfügen „auch über einen nicht unerheblichen Fettgehalt“. Und das ist natürlich schlecht, wenn es um die gute Figur geht.

Aber natürlich gibt es einen Ausweg: „Mit „Goldsteig“ hat ein großer und namhafter Hersteller von Milchprodukten auf Kundenwünsche reagiert und einen ersten Protein-Käse auf den Markt gebracht, der eine gesunde und vor allem fettarme Alternative zu Mozzarella sein soll. Protinella heißt das erste Protein-Food des Herstellers,..“ Und die Redaktion weiß, dass das Produkt „für ernährungsbewusste Ernährung einen Mehrwert“ bietet: „Als da wären: Vitamin B2, Zink und Calcium. Bei so viel Gesundheit kommt jedoch auch der Geschmack nicht zu kurz. Protinella ist zugleich ein gesundes und geschmackvolles Protein-Food....“ Liest sich wie eine Werbung. Oder?

Ob eine proteinreiche Kost wirklich vorteilhaft für die Gesundheit ist, darüber streiten sich die Gelehrten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt gesunden Erwachsenen unter 65 Jahren, täglich 0,8 Gramm Proteine pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen. Dazu reiche die „normale“ Ernährung aus, da die Proteinzufuhr in Deutschland bereits über der empfohlenen Zufuhrmenge - und das in allen Altersgruppen - liege, könnten Verbraucher guten Gewissens auf Lebensmittel mit Proteinzusatz verzichten.

In Studien haben proteinreiche Diäten eine günstige Auswirkung auf das Körpergewicht (höherer Gewichtsverlust, bessere Konstanz des Körpergewichtes nach Gewichtsabnahme) und die Leber- sowie Blutfettwerte (Triglyceride) gezeigt. Das ist die positive Seite. Die negative ist, dass eine proteinreiche Ernährung das Diabetesrisiko steigern, die Nierenfunktion stören und das Risiko einer Krebserkrankung vornehmlich bei jüngeren Menschen erhöhen kann.

Jetzt haben finnische Ernährungswissenschaftler eine weitere Gefahr einer eiweißreichen Diät gefunden: das Risiko für Herzversagen (Herzinsuffizienz). Untersucht wurden 2441 Männer im Alter von 42 bis 60 Jahren und das über einen Zeitraum von 22 Jahren. Innerhalb dieser Zeit wurden 334 Herzinsuffizienzfälle diagnostiziert.

Es zeigte sich, dass je höher die Proteinzufuhr war, desto höher auch die Gefahr lag, ein Herzversagen zu erleiden. Im Vergleich der Gruppe von Männern mit dem höchsten im Vergleich zum niedrigsten Proteinverbrauch war die Erkrankungsgefahr:
• um 33% höher für alle Proteinquellen,
• um 43% erhöht für tierische Eiweiße,
• um 49% erhöht für Eiweiße aus Milchprodukten,
• um 17% erhöht für Eiweiße aus pflanzlichen Produkten.

Laut der Daten bezogen die Studienteilnehmer 70% der Eiweiß aus tierischen und 27,7% aus pflanzlichen Quellen. Gerade bei denjenigen, die spezielle proteinangreicherte Lebensmittel- und Nahrungsergänzungs-Produkte verwendeten, stieg das Herzrisiko noch ein wenig zusätzlich an. Die einzigen Lebensmittel, bei denen die Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen Proteingehalt und dem Risiko für Herzversagen feststellen konnten, waren Fisch und Eier.

Der finnische Ernährungsexperte Dr. Jyrki Virtanen warnt: „Weil viele Menschen die gesundheitlichen Vorteile eine proteinreichen Diät als garantiert annehmen, muss man die möglichen Risiken und Vorteile dieser Ernährungsweise ganz klar machen.“ Auch die American Heart Association (amerikanische Herzgesellschaft) sieht keinen Sinn in einer proteinreichen Kost. Sie empfiehlt dagegen eine ausgewogene Ernährung: frische Früchte und Gemüse, Vollkornprodukte, fettarme Molkereiprodukte, Geflügel, Fisch, Bohnen, pflanzliche Öle und Nüsse sowie ein Reduzieren von Süßigkeiten, Limonaden und rotem Fleisch.

7.6.2018 cs / Quelle: Circulation

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