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Low Carb bringt innerhalb kurzer Zeit einen Gewichtsverlust, doch der Verzicht auf Kohlenhydrate hat seinen Preis (Foto: Benjamin Thorn / pixelio.de)
Low Carb bringt innerhalb kurzer Zeit einen Gewichtsverlust, doch der Verzicht auf Kohlenhydrate hat seinen Preis (Foto: Benjamin Thorn / pixelio.de)
Low Carb Diäten: Auf Kosten der Lebensdauer

Das liegt irgendwie im Trend: eine kohlenhydratarme Ernährung. Das Reduzieren von Energiequellen, die sich aus Zucker (Einfachzucker - Monosaccharide, Zweifachzucker - Disaccharide, Mehrfachzucker - Polysaccharide) speisen, verspricht eine schnelle Gewichtsabnahme. Behaupten jedenfalls die Befürworter. Doch es mehren sich die Ernährungswissenschaftler, die Low Carb Diäten, z.B. Atkins-Diät, Ketogene Diät, New-York-Diät, Schlank im Schlaf oder Paleo-Ernährung, kritisch sehen. Jetzt kommt eine neue Studie, die das Sterberisiko bei einer kohlenhydratarmen Ernährung als erhöht bezeichnet.

Eine Ernährung, die keine oder nur wenig Kohlenhydrate enthält, verzichtet weitgehend auf Kartoffeln, Reis, Brot und Nudeln sowie Süßigkeiten, Kuchen und Zucker. Je nach Diät sind täglich 20 bis 100 Gramm Kohlenhydrate erlaubt. Die Ernährung besteht dagegen überwiegend aus Fisch, Fleisch,  Milchprodukten und Gemüse.

Warum auf Kohlenhydrate verzichten? Sie werden vom Körper besonders schnell in Glukose (also Traubenzucker) verstoffwechselt. Langfristig werden die überschüssigen Kohlenhydrate als Energiereserve in Form von Fettpolstern gespeichert. Bei einer starken Einschränkung des Kohlenhydrat-Verzehrs wird der Körper dazu gezwungen, mehr Fett aus den eingelagerten Vorräten an Hüfte, Po und Bauch zu verbrennen.

Der Erfolg dieses Vorgehens lässt sich schnell ablesen: Studien belegen, dass Low Carb innerhalb von sechs Monaten zu einem Gewichtsverlust von zwischen 5,8 bis 12 Kilogramm führte. Bei einer fettreduzierten Diät, die zum Vergleich durchgeführt wurde, waren es in diesem Zeitraum nur 1,9 bis 6,5 Kilogramm. Wunderbar, das spricht für ein Reduzieren von Kohlenhydraten. Eigentlich. Kontrollierte man aber nach 12 Monaten noch einmal, dann unterschied sich die Gewichtsabnahme der beiden Diätformen kaum noch voneinander: In beiden Gruppen betrug der Gewichtsverlust zwischen 3 bis 5 Kilogramm.

Das ist es aber nicht allein. Die Ergebnisse verschiedener Studien haben den Verdacht genährt, dass eine kohlenhydratarme Diät höhere LDL-Cholesterin-, Harnsäure- und Harnstoffwerten sowie ein erhöhtes Risiko für Nierensteine nach sich zieht. Außerdem kann das Herz-Kreislauf- und Diabetesrisiko steigen, belegen diese Studien.

Nun legen Mediziner des Brigham and Women’s Hospital, Boston, und der Universität von Minneapolis Daten vor,  die belegen, dass sowohl ein hoher wie ein niedriger Verzehr von Kohlenhydraten das Risiko eines vorzeitigen Ablebens erhöhten. Dazu haben sie die Ernährungsgewohnheiten von über 432.000 Menschen aus 20 Ländern ausgewertet. Besonders ausgewertet haben sie die Daten von 15.428 Erwachsenen (ARIC-Studie) im Alter von 45-65 Jahren, deren Kalorienaufnahme zwischen 500 und 3600 kcal pro Tag bei Frauen und zwischen 600 und 4200 kcal pro tag bei Männern betrug.

Über den Beobachtungszeitraum von 25 Jahren wurden insgesamt 40181 und in der ARIC-Studie 6283 Todesfälle verzeichnet. Es stellte sich heraus, dass eine verminderte Zufuhr von Kohlenhydraten - unter 40% der Energiezufuhr durch Kohlenhydrate - und ein hohe Zufuhr von Kohlenhydraten - über 70% der Energiezufuhr durch Kohlenhydrate das Sterberisiko erhöhte: und zwar um 23%. Es stellte sich aber auch heraus, das diejenigen, die Kohlenhydrate in einem „moderaten“ Umfang - Kohlenhydrate trugen zu 50-55% zum Energieverbrauch bei - das geringste Sterberisiko auftrat.

Die Mediziner errechneten, dass bezogen auf ein Alter von 50 Jahren, die noch zur Verfügung bleibende Lebensspanne bei denjenigen, die moderat Kohlenhydrate verzehrten 33 Jahre betrug. Bei denjenigen mit einem niedrigen Kohlenhydrat-Verbrauch lag sie bei 29 Jahren und bei den mit einem hohen Kohlenhydrat-Verbrauch bei 32 Jahren. Entscheidend für ein längeres oder kürzes Leben war, woher der Ersatz der Kohlenhydrate durch Fette und Proteine stammte. Wurden Kohlenhydrate durch tierische Fette - wie Lamm-, Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch - ersetzt, dann stieg die Sterblichkeitsrate stärker an. Beruhte der Ersatz aber auf Pflanzenbasis - wie Gemüse, Nüsse, Erdnußbutter und Vollkornbrot - dann sank die Sterblichkeit.

22.8.2018 cs / Quelle: The Lancet Health

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