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Der Kampf ums Gewicht ist oft auch der Kampf um ein gesünderes und längeres Leben: Wichtig dabei ist vor allem die Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen (Foto: by-sassi  / pixelio.de)
Der Kampf ums Gewicht ist oft auch der Kampf um ein gesünderes und längeres Leben: Wichtig dabei ist vor allem die Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen (Foto: by-sassi  / pixelio.de)
Low Carb-Diät: Weniger Kohlenhydrate und mehr Fett bleiben umstritten

Die Empfehlungen der Low Carb-Diät waren schon immer umstritten. Ob weniger Kohlenhydrate und mehr Fett in der täglichen Kost das Gewicht senken und das Leben verlängern können, wollten viele nicht glauben. Und dann kam die sogenannte PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology) -Ernährungsstudie, deren Ergebnisse die Forderungen von Low Carb bestätigen. Doch nun flammt Kritik auf, weil die Studie derartige Folgerungen gar nicht zulasse. Wer hat Recht?

Die immerhin in der angesehenen medizinischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlichten Ergebnisse der PURE-Studie besagen, dass bei einem Ernährungsanteil von 35% Fett das Sterberisiko im Vergleich zu denjenigen, die weniger Fett konsumieren, um 13% bis 33% sinken soll. Außerdem erhöhte sich das Sterberisiko, wenn die Studienteilnehmer - immerhin wurden 135.335 Menschen im Alter von 35 bis 70 Jahren über eine Zeitraum von durchschnittlich 7,4 Jahren beobachtet - ihre Ernährung mit mehr als 60% Kohlenhydraten bestritten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat diese Ergebnisse zum Anlass genommen, einige ihrer Ernährungsempfehlungen zu ändern. Fett wird nicht mehr grundsätzlich für schlecht erklärt, sondern vor unsichtbaren Fetten  in Milchprodukten gewarnt. Die Referenzwerte von etwa 30% Fettanteil und maximal 50% Kohlenhydratanteil wurden nicht angetastet. Außerdem rät man zu 375 bis 500 Gramm frisches Obst und Gemüse am Tag. Größere Mengen würden nicht mehr für die Gesundheit bringen. Die DGE kritisiert die PURE-Studie aber auch, weil Zusammenhänge merkwürdig und Grundannahmen unrealistisch gewählt wurden.

Kritik kommt auch von der Uni Hohenheim. Die in der Studie geforderten weitreichenden Änderungen von Ernährungsempfehlungen ließen Methodik und Ergebnisse der Studie gar nicht zu, heißt es. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Gesamtmenge an Kohlenhydraten und Fett in der Ernährung und der Sterblichkeit sei nicht gegeben, erklären Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski, Prof. Dr. Regina Birner und Prof. Dr. Jan Frank. Entscheidend sei vielmehr die Qualität der Ernährung, also der Gehalt an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.


Die Schlussfolgerungen aus der Studie, dass zu viele Kohlenhydrate in der täglichen Kost die Sterblichkeit steigerten und mehr Fett sei nicht nur unschädlich, sondern sogar die Sterblichkeit und das Risiko für Schlaganfälle verringere, lehnen die drei Ernährungsexperten in dieser Form ab. Die PURE-Studie lasse keine kausalen Zusammenhänge zwischen diesen Beobachtungen feststellen.

Andere Ernährungsexperten führen dagegen lieber Ergebnisse anderer Ernährungsstudien ins Feld. So habe eine 3-Gruppen-Studie nach sechs Monaten gezeigt: Nicht nur der Gewichtsverlust war bei insgesamt 245 untersuchten gesunden Nicht-Fettleibigen in der „Wenig-Fett-Viel-Kohlenhydrate“-Gruppe (LFHC) sowohl stärker als in der moderaten Fett-Kohlenhydrat- als auch in der LowCarb-Gruppe, auch die Reduktion des Taillenumfangs und diverser Blutparameter wie Gesamtcholesterin waren in der LFHC-Gruppe besser

Auch bei fettleibigen Diabetikern, wo LowCarb gerne bevorzugt zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird, ergab eine Studie keinen Vorteil von LC-Diäten. Es gebe keinen Beweis, dass LC die beste Diabetiker-Diät sei, sondern es komme allein auf Kalorienreduktion an und darauf, dass die Patienten die Diät durchhalten, so das Fazit der Studienleiter der University of Michigan. Ebenfalls keinen bedeutsamen Effekt von LowCarb zur Langzeitgewichtsreduktion bei Diabetikern zeigte eine Untersuchung, die neun Einzelstudien zusammenfasste und eine weitere Auswertung von 32 Studien. Demnach ist der Fettverlust unter LowFat-Diäten besser. Eine Analyse von vier Einzelstudien ergab ein „leicht erhöhtes Risiko von Typ-2-Diabetes bei extremer LC-Kost“.

Warum sich die Befürworter von Nudeln, Brot und Kartoffeln genauso harsch ins Zeug legen wie die Verfechter einer fetthaltigen und kohlenhydratarmen Ernährung, hat sicherlich nicht nur wissenschaftliche oder gesundheitsfördernde Gründe. Das Problem aller Studien ist, dass Mangel gegen Überfluss gestellt wird. Also Extreme miteinander verglichen werden. Und Extreme sind - gerade in der Ernährung - selten gut, weil sie die Gefahr der einseitigen Versorgung bergen. Außen vor bleibt bei diesen Studien fast immer die Qualität der Ernährung, weil es vornehmlich um die Mengen der konsumierten Nahrungsmittel geht.

Was wirklich entscheidend ist, betonen die Wissenschaftler der Uni Hohenheim. Es gehe vor allem um die Versorgung mit Mikronährstoffen und dafür sei der Anteil an Kohlenhydraten und gesättigten Fetten in der Ernährung lediglich ein Indikator. Betont Frank: „Eine unzureichende Versorgung mit Mikronährstoffen, also Mineralstoffen und Vitaminen, erhöht das Krankheits- und so unweigerlich auch das Mortalitätsrisiko. Wenn die Qualität außen vor bleibt, führt die Betrachtung der Quantität von Makronährstoffen in der Ernährung leicht in die Irre. Eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung kann qualitativ genauso ungenügend sein wie eine fettarme, kohlenhydratreiche Ernährung.“

cs 11.9.2017/ Quelle:  EBioMedicine,  ccm, Uni Hohenheim

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