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Keine Chance für Fettpolster: Nicht mit Fasten-Experimenten Gesundheit und Figur ruinieren(DAK/Hanuschke +Schneider)
Fasten: Risiken werden unterschätzt

(Heil)fasten ist zur längerfristigen Gewichtsreduktion völlig ungeeignet und birgt darüber hinaus etliche – teilweise lebensbedrohliche – Gefahren für die Gesundheit der Fastenden. Besonders wer über mehrere Tage hinweg ohne ärztliche Aufsicht auf feste Nahrung verzichtet, ist gefährdet.

Mit Hilfe einer Radikalkur möglichst viele Kilos abspecken - diesen Vorsatz fassen viele gerade am Aschermittwoch zu Beginn der christlichen Fastenzeit. Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik geht davon aus, dass ab Aschermittwoch mindestens 40 Prozent der Bevölkerung fastet oder eine „Diätkur“ macht.

Doch die Abnehm-Erfolge der ersten Fasten-Tage sind trügerisch, weil der Körper bei Nahrungskarenz auf Sparflamme läuft und fast nur Eiweiß (Muskulatur) und Wasser, aber kaum Fett abbaut, wodurch sich der Energieverbrauch nochmals verringert. Daher ist Fasten der sicherste und schnellste Weg in den gefürchteten „Jo-Jo-Effekt“.

Weiterhin soll (Heil)fasten nach Buchinger den Körper entschlacken und entsäuern. Den ernährungswissenschaftlichen Nachweis hierfür ist das Fasten jedoch bis heute schuldig geblieben. Dies ist auch nicht verwunderlich, warnt Diplom Oecotrophologe Thomas Reiche von der Gesellschaft, denn im menschlichen Organismus fallen keine Schlacken an. Die bei der Oxidation von Nährstoffen anfallenden Abbauprodukte wie Wasser, Kohlendioxid, Harnsäure und Ammoniak entsorgt der Organismus rückstandslos über Leber und Nieren oder atmet sie über die Lungen ab.

Für die Entsäuerung des Körpers sind ebenfalls in erster Linie gesunde Nieren und nicht etwa Fastenkuren verantwortlich. Dauern diese über mehrere Tage, bewirken sie sogar genau das Gegenteil: Es kommt zu einer Übersäuerung, der Ketoacidose. Denn im Hungerzustand – und Fasten ist nichts anderes als Hungern – bezieht das Gehirn seine Energie aus der Verbrennung von Ketonkörpern. Das dabei entstehende Aceton wird zunehmend mit dem Urin ausgeschieden und sorgt für die bräunliche Farbe und den penetranten Geruch.

Dass die ernährungswissenschaftlich widerlegten Theorien des Heilfastens dennoch gewinnmaximierend als Marketing-Gag eingesetzt werden ist deshalb so ärgerlich und moralisch fragwürdig, weil dies auf Kosten der Gesundheit der Verbraucher geschieht, beklagt sich Reiche. So kann der beim mehrtägigen Fasten auftretende Abbau der Herzmuskulatur zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern führen.

Neben der beschriebenen Ketoacidose mit schlechtem Körper- und Mundgeruch können beim Fasten Gichtanfälle, Schwindelgefühl, Konzentrationsstörungen, Kälteempfinden, trockene Haut und Haarausfall auftreten. Daher sollten Fastenkuren nur in Absprache mit einem Arzt, besser noch unter ärztlicher Aufsicht, durchgeführt werden, wobei Schwangere und stillende Frauen, Kinder und ältere Menschen überhaupt nicht fasten sollten, betont Reiche.

Viel sinnvoller ist es statt dessen, in der Fastenzeit seine generelle Ernährungsweise zu hinterfragen, also durchaus mal über „carne vale“ (lat. „Fleisch lebe wohl“) nachzudenken. Denn wer nur ab und zu (mageres) Fleisch genießt, viel Gemüse und Obst isst, seinen Alkohol- und Zuckerkonsum verringert und sich viel bewegt, der braucht nicht mit riskanten Fasten-Experimenten seine Gesundheit und Figur ruinieren, so Reiche.

WANC 09.02.05

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