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Testosteron wirkt sich auf die Bildung von Muskeln aus, ein Mangel von Östrogenen fördert das Entstehen von Fettpolstern (Foto: england_is_great / pixelio.de)
Testosteron wirkt sich auf die Bildung von Muskeln aus, ein Mangel von Östrogenen fördert das Entstehen von Fettpolstern (Foto: england_is_great / pixelio.de)
Hormonveränderungen treffen auch den Mann

Es wird seit längerem darüber spekuliert, ob Männer vergleichbar mit Frauen in die Wechseljahre kommen können. Eine neue Studie bestätigt nun, dass es Hormonveränderungen auch beim Mann gibt, die zum Aufbau von Fettmasse und möglicherweise zu einem Nachlassen der Libido führen können. Was das aber bedeutet, darüber gibt ganz unterschiedliche Meinungen.

Die Medizin hat für das Problem gleich einen Namen gefunden: Testosteron-Mangel-Syndrom (TMS). Einschlägige Webseiten, die sich mit dem Thema Wechseljahre des Mannes beschäftigen, beschreiben deutlich, dass sich nach dem 40. bis 45. Lebensjahr beim Mann der Testosteronspiegel jährlich um ein bis zwei Prozent verringern soll. Und das könne zu Schwächegefühlen, Mattigkeit, Gefühlsschwankungen, innerer Unruhe, Potenzstörungen, einem Nachlassen der Lust, abnehmender Muskelkraft, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme führen. Betroffen sind "in aller Regel Männer zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr".

Die Gegenkur ist eine Behandlung mit dem Hormon Testosteron. Na klar. Die Gabe von Hormonen kennen Frauen, die in die Wechseljahre kommen, ziemlich genau. Sie wurden lange Zeit bedenkenlos verschrieben, bis sich dann heraus stellte, dass dadurch das Risiko für Brustkrebs steigt. Erst danach erfolgte ein etwas besonnerer Umgang mit den Medikamenten, auch wenn es immer noch genügend Verteidiger der alten Marschroute in der Behandlung gibt.

Bei Männern scheint sich das nun zu wiederholen. Die Behandlung mit dem Hormon "zeichnet sich durch hohe Sicherheit und geringe Nebenwirkungen aus", heißt es. Ein wenig Vorsicht sei lediglich angebracht, wenn die Gefahr eines versteckten Prostatakarzinoms drohe. Aber: "Es gibt keine Hinweise, dass Testosteron Prostatakrebs auslöst (es müsste sonst jeder Mann mit normalem Hormonhaushalt daran erkranken), deshalb ist Angst vor der Hormonbehandlung nicht berechtigt." Die Argumentation hört sich bekannt an, hat bei Frauen allerdings zu anderen Erfahrungen geführt. Und wirklich erforscht ist die Hormongabe bei Männern in den Wechseljahren nicht, genauso wenig, ob die Wechseljahre des Mannes vielleicht nur ein Mythos sind, der von Pharmaunternehmen geschürt wird, um eine neue Zielgruppe für ihre Hormonprodukte zu finden. In den USA funktioniert das: Die Verschreibung von Testosteron ist dort zwischen 1993 und 2000 um 500% angestiegen.

In  einer Studie des Massachusetts General Hospital wurde bei insgesamt 400 gesunden Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren zuerst die Hormonproduktion herunter gefahren. Und dann anschließend wurden verschieden starke Testosteronmedikamente gegeben und bei einigen zusätzlich ein Mittel, das das Entstehen von Östrogen unterbindet. Das erste Ergebnis: Männer haben und benötigen sowohl männliche (Androgene, eines ist Testosteron) wie weibliche (Östrogene) Hormone. Die gegenseitige Abhängigkeit ist relativ groß, fehlen dem Mann eine gewissen Menge Östrogene, so verstärken sich dadurch die Auswirkungen fehlenden Testosterons.

Grundsätzlich wirkte sich Testosteron direkt auf die Muskelmasse aus, die stieg, wenn die Dosis des Hormons angehoben wurde. Östrogenmangel hatte keinen Einfluss auf die Muskelmasse, aber dafür auf die Fettmasse. Fehlten dem Mann Östrogene, dann legte er Fettdepots an. Für die Sexualfunktionen waren beide Hormone notwendig. Die Wissenschaftler schließen aus diesen Ergebnissen, dass bei älteren Männern mit TMS einfach nur Testosteron zu ersetzen, die falsche Therapie ist. Man müsse darauf achten, dass die Östrogenlage beim Mann nicht vergessen werde.

Damit bleibt aber die grundsätzliche Frage, ob eine Hormonbehandlung überhaupt sinnvoll ist. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt dazu: "Dass Männer im Alter von der Gabe von Testosteron profitieren, ist wissenschaftlich umstritten……"  Zunächst müsste "einmal die Auswirkungen einer Testosteronsubstitution untersucht werden". Zu befürchten ist, dass Ärzte so lange nicht warten werden und Hormone verstärkt Männern verschreiben werden.


Berliner Ärzteblatt 13.09.2013/ Quelle: N Engl J Med 2013

Kommen auch Männer in die Wechseljahre?

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