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Diagnose > Krankheiten > Diabetes Ratgeber
Frau mit Herzschmerzen
Herzinsuffizienz: Probleme treten bei körperlicher Bealstung auf (Foto: DAK/Scholz)
Diabetiker: Anfälliger für Herzprobleme

Diabetiker, die mit bestimmten Medikamenten behandelt werden, haben zusätzlich ein höheres Risiko, an einer Herzinsuffizienz zu erkranken.

Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Diabetes-Vorstufen entwickeln im Vergleich zu Kontrollpersonen mit höherer Wahrscheinlichkeit kongestive Herzinsuffizienz (congestive heart failure, CHF), wenn sie Rosiglitazon oder Pioglitazon erhalten. Diese Medikamente erhöhten jedoch nicht das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle (CVD) bei diesen Patienten, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Dr. Richard Nesto vom Lahey Clinic Medical Center in Burlington in den USA und seine Kollegen hatten eine Meta-Analyse von sieben randomisierten klinischen Doppelblindstudien zum Thema kongestive Herzinsuffizienz auf Grund von Medikamenten bei Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Diabetes-Vorstufen durchgeführt, die Rosiglitazon oder Pioglitazon erhielten. Diese Medikamente gehören zur Klasse der Thiazolidinedione (TZD). Diese Studien umfassten 20 191 Patienten. Die Haupt-Analyseparameter waren die Entwicklung von CHF und das Risiko für CVD.

Die Forscher fanden heraus, dass die 72-prozentige Erhöhung des relativen Risikos für CHF über einen weiten Hintergrund von kardiovaskulären Risikogruppen hinaus beobachtet werden konnte - bei Patienten mit Diabetes-Vorstufen, solchen mit Typ-2-Diabetes, aber keinen kardiovaskulären Erkrankungen, solchen mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen und solchen mit Typ-2-Diabetes und dokumentierter CHF. Laut den Autoren variierte das absolute Risiko für CFH stark unter diesen Patientengruppen, was Klinikern helfen könnte, passende Patienten für TZD auszusuchen, wenn die Medikamente verschrieben werden.

Die Autoren beschreiben, dass die Medikamenteneinnahme in diesen Studien relativ niedrig lag und die meisten Patienten bei Eintritt in die Studie keine CHF-Vorgeschichte oder Hinweise auf eine linksventrikuläre Dysfunktion hatten. Die Häufung der CHF-Fälle im Zusammenhang mit TZD sind wahrscheinlich das Ergebnis einer TZD-bedingten Flüssigkeitsretention und einer diastolischen Dysfunktion bei anfälligen Patienten.

Sie fügen hinzu, dass der natürliche Verlauf von durch TZD-bedingter Flüssigkeitsretention verursachter kongestiver Herzinsuffizienz nicht bekannt ist. „Trotz des blutzuckersenkenden Effekts der TZDs weisen unsere Daten darauf hin, dass diese Medikamente nicht bei Patienten mit Herzinsuffizienz und zur glykämischen Kontrolle bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, aber ohne Herzinsuffizienz nur vorsichtig eingesetzt werden sollten. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne kardiovaskuläre Erkrankungen, bei denen das absolute Risiko für CHF deutlich niedriger liegt, sollte die Verabreichung von TZD gegen die Risiken und Vorteile anderer antidiabetischer Medikamente abgewogen werden."

Allerdings weisen sie darauf hin: „Nicht ausreichende Nachuntersuchungszeiten könnten unsere Schlussfolgerungen zur Assoziation zwischen CHF und kardiovaskulärer Sterblichkeit beeinflusst haben. Wir brauchen längere Nachuntersuchungszeiten und bessere Charakterisierung der Patienten, die CHF auf Grund von Flüssigkeitsretention entwickeln, um die Wirkung von TZD auf das gesamt-kardiovaskuläre Ergebnis zu bestimmen und ob CHF als Nebenwirkung oder als charakteristischer kardiovaskulärer Parameter angesehen werden soll."

Dr. John Cleland und Dr. Stephen Atkin vom Department of Cardiology des Castle Hill Hospital der University of Hull in Großbritannien erklären dazu: "Alle Metaanalysen sehen des Pudels Kern nicht. Behandlungen müssen wirksam sein, nicht nur lediglich harmlos. Eine bessere glykämische Kontrolle ist kein Ersatz für wirksame Versorgung von Patienten mit Diabetes. Eine solche sollte die Behinderungen verringern und die Lebensdauer verlängern. Die Arzneimittelbehörden brauchen einen stärkeren Fokus auf eine Medikamentenentwicklung in Richtung klinisch relevanter Effekte, sowohl bezüglich Wirkung als auch Ausmaß, ohne erstickende Neuerungen einer Industrie, die der Gesellschaft nützt."

Dr. Victor Montori von der Mayo Clinic of Medicine in Minnesota und seine Kollegen betonen, dass Medikamente, die auf Grund von Studien mit Surrogat-Parametern zugelassen wurden, eine falsche Ökonomie vorgaukeln, obwohl sie durch schnellere Markteinführung zuerst Geld sparen. Sie sagen: „Jegliche Einsparungen werden schnell von den Ausgaben im Zusammenhang mit potenziell unwirksamen oder sogar schädlichen (aber stark beworbenen) teuren Therapien eingeholt. Patienten und Gesellschaft könnten am Ende für Medikamente, die mehr schaden als nutzen, teuer bezahlen. Die medizinische Gemeinschaft sollte darauf bestehen, dass wir die nötigen Ressourcen für Studien aufbringen, die die Wirkung der Interventionen anhand von Parametern untersuchen, die für den Patienten wichtig sind."

Außerdem wird den Pharmaunternehmen Druck gemacht: "Herstellerfirmen müssen zeitnah nach der Markteinführung Studien durchführen, welche die Langzeitsicherheit ihrer Medikamente untersuchen. Arzneimittelbehörden müssen den Herstellern Druck machen um sicherzustellen, dass diese auch durchgeführt werden, richtig durchgeführt werden und ausreichend ausgewertet werden und dass die nötigen Informationen zur richtigen Verschreibungspraxis zugänglich sind. Solange die Einschränkungen im Verständnis, der Analyse und der Kommunikation der Medikamentensicherheitsbelange zum Gegenstand werden, werden die TZD das jüngste einer Serie von vermeidbaren Medikamentendesastern sein."

WANC 04.10.07
Quelle: Rodrigo M Lago and others. Congestive heart failure and cardiovascular death in patients with prediabetes and type 2 diabetes given thiazolidinediones: a meta-analysis of randomised clinical trials. Lancet 2007; 370: 1129

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