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Gezuckerte Getränke sind möglicherweise für Krebs verantwortlich (Foto: www.fotofixfax.com / pixelio.de)
Gezuckerte Getränke sind möglicherweise für Krebs verantwortlich (Foto: www.fotofixfax.com / pixelio.de)
Erhöhen Limonaden das Krebsrisiko?

In einer Ernährungsstudie wurden Hinweise darauf gefunden, dass ein hoher Konsum gezuckerter Getränke das Risiko für eine Krebserkrankung erhöhen könnten. Bei der Untersuchung wurde der Verzehr von etwa 3300 unterschiedlichen Lebensmitteln und Getränken erfasst.

Das Trinken von Limonaden, Fruchtsäften, Diätlimonaden und anderen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen gesüßten Getränken wird in wissenschaftlichen Untersuchungen mit dem Entstehen verschiedener Krankheiten in Verbindung gebracht: z.B. Übergewicht, Herzkrankheiten, Zellalterung, Diabetes. Es gibt Studien, die besagen, dass schon zwei Gläser Limonade pro Tag das Leben um viereinhalb Jahre verkürzen.

Schon seit längerem besteht auch der Verdacht, dass Süßgetränke aber auch mit Zuckerersatzstoffen gesüßte Getränke das Risiko für eine Krebserkrankung steigern könnten. Jetzt wurden die Ernährungsdaten von 101.257 Frauen und Männern ab einem Alter von 18 Jahren, Durchschnittsalter 42,2 Jahre,  über eine Zeitraum von durchschnittlich mehr als fünf Jahren ausgewertet. In dieser Zeit wurden 2193 Krebsfälle diagnostiziert, davon 693 Fälle Brustkrebs, 291 Prostatakrebs, 166 Darmkrebs.

Unter die konsumierten Süßgetränke fielen 100% Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz, Limonaden, Sirups, mit Zucker oder Zuckersatzstoffe gesüßte Erfrischungsgetränke, Sport- und Energiedrinks. Der mittlere Zuckergehalt dieser Getränke betrug 10,7 Gramm pro 100ml. In der Studie wurde der tägliche Limonadenkonsum in vier Stufen von geringem bis hohem Konsum eingeteilt. Das bedeutete in Stufe eins einen Verbrauch von 27,6 ml, in Stufe zwei 57ml, in Stufe drei 101,4 ml und in Stufe vier  185,8 mlIm Durchschnitt tranken Frauen 90,3 ml und Männer 74,6 ml gesüßte Getränke pro Tag.

Die Auswertung ergab, dass ein erhöhter Konsum von Limonaden und anderen gesüßten Getränken das Krebsrisiko erhöhte. 100 ml mehr Limonade am Tag steigerte das generelle Krebsrisiko um 18%, das Brustkrebsrisiko um 22%.
Wer mit Zuckerersatzstoffen gesüßte Getränke zu sich nahm, hatte in dieser Studie kein erhöhtes Krebsrisiko. Die Ernährungswissenschaftler warnen aber davor, zu schnell Entwarnung zu geben. Denn die Zahl der Personen, die derartige Getränke zu sich nahmen, war zu gering, um daraus verläßliche Schlüsse ziehen zu können.

11.7.2019 cs / Quelle: BMJ 2019

 

Hinweis: Die WPR COMMUNICATION GmbH & Co. KG, Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Berlin & Sankt Augustin, hat uns am 11.7.2019 eine E-Mail mit folgendem Inhalt geschickt, die wir im Zuge einer fairen Berichterstattung hier veröffentlichen:

Im Rahmen unserer Informationsarbeit als Servicebüro für den Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF), beschäftigen wir uns seit vielen Jahren sehr intensiv mit dem Thema Fruchtsaft, wobei wir sehr eng mit Ernährungswissenschaftlern zusammenarbeiten und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Fruchtsaftforschung berücksichtigen.

Zu dem Artikel möchten wir gerne Stellung nehmen, da die thematisierte Studie "Sugary drink consumption and risk of cancer: results from NutriNet-Sante prospective study” Chazelas et al. (2019) in der Fachwelt als äußert kritisch gesehen wird. 

Zunächst einmal handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die nicht in der Lage ist, Ursache und Wirkung eindeutig zu bestimmen. Das räumen die Autoren sogar selbst ein, indem sie sagen: "Die Kausalität der beobachteten Zusammenhänge lässt sich nicht feststellen und residuale Störfaktoren können nicht vollständig ausgeschlossen werden". Beobachtungsstudien zur Ernährung werden von Statistikexperten wegen ihrer methodischen Schwächen scharf verurteilt. 

Für eine Studie, die sich mit der Krebsdiagnose beschäftigt, ist das Follow-Up zudem sehr kurz. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Lebensmittel oder Getränke innerhalb von 3-5 Jahren einen Einfluss auf die Krebsdiagnose zeigen.[1]

Die Hilfsorganisation Cancer Research[2] zitiert zudem einen Wissenschaftler, der bestätigt, dass nur eine von sechs Krebsarten in den 3 Jahren zwischen den Screening-Terminen auftritt, während sich Brust- und Darmkrebs über einen Zeitraum von etwa 10 Jahre entwickeln. Die Entwicklung von Prostatakrebs dauert mehr als 10 Jahre. 

Hier liegt eine wesentliche Einschränkung der Studie, in der Brust-, Prostata- und Darmkrebs am häufigsten auftraten. Es ist daher unwahrscheinlich, dass diese langsam wachsenden Krebsarten durch Fruchtsaft verursacht oder verschlimmert werden, der 5 Jahre vor der Diagnose konsumiert wurde.

In der Studie war der Fruchtsaftkonsum statistisch mit dem Gesamtrisiko von Krebs verbunden, jedoch nicht mit den einzelnen Krebsarten, die über die Hälfte der diagnostizierten Krebsarten ausmachten. Dies deutet darauf hin, dass der Befund zufällig ist und nicht auf eine klinische Assoziation hinweist.

Ein weiterer Kritikpunkt gründet darin, dass die Studienergebnisse auf der Auswertung von Fragebögen basieren, die von den Probanden selbst ausgefüllt wurden. Für diese Art der Erfassung aus sog. FFQ-Daten (Self-Reported Food Frequency Questionnaire) gelten eine Reihe von Einschränkungen:

Zum einen beseht ein hohes Risiko für eine Fehklassifizierung von Fruchtsaft. Die Studie berichtete, dass Fruchtsäfte 45% der konsumierten Softgetränke ausmachten, während zuckergesüßte Erfrischungsgetränke (Sugar Sweetened Beverages = SSB) 36% und künstlich gesüßte Getränke 19% ausmachten. Dies scheint im Widerspruch zu den europäischen Daten[3] zu stehen, die zeigen, dass mehr SSB konsumiert werden als Fruchtsaft.

Zum anderen bergen selbst ausgefüllte FFQs die Gefahr lückenhafter oder sogar falscher Angaben, da die Teilnehmer sich bewusst sind, dass ihre Ernährungsgewohnheiten von Ernährungsprofis beobachtet werden, so dass sie durch bestimmte Angaben „gesünder" erscheinen möchten. Dies könnte zu einer ungenauen Angabe des tatsächlichen Fruchtsaftkonsums führen, da den Verbrauchern bewusst ist, dass Fruchtsaft eine gesündere Alternative zu zuckergesüßten Erfrischungsgetränken darstellt.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass Fruchtsaft das Krebsrisiko durch verschiedene Faktoren erhöhen könnte. All diese wurde jedoch durch Interventionsversuche widerlegt. 
Zu den Faktoren gehörten Fettleibigkeit (In einem Bericht[4] des wissenschaftliche Beratenden Ausschuss für Ernährung (SACN) wurde Fruchtsaft nicht mit Fettleibigkeit in Verbindung gebracht), erhöhte Entzündungen (Mehrere Interventionsstudien[5]konnten sogar geringere Entzündungswerte nachdem täglichem Konsum von Fruchtsaft nachweisen), ein hoher glykämischer Index (Fruchtsaft weist nach internationaler Klassifizierung einen niedrigen glykämischen Index auf[6]) und ein erhöhtes Risiko für Insulinresistenz oder schädliche Blutzuckerwerte (In Metaanalysen wurde kein Einfluss auf diese Marker festgestellt[7]).

In Anbetracht dieser umfangreichen, veröffentlichten Belege sind die Wirkungsweisen, die Fruchtsaft unterstellt werden, nicht begründbar/gerechtfertigt.

Entgegen den Ergebnissen dieser Studie zeigt eine frühere Langzeitstudie (Singapore Chinese Health Study) mit mehr als 60.000 Probanden, dass explizit kein Zusammenhang von Fruchtsaft und einem erhöhten Krebsrisiko besteht. Lediglich Probanden, die mehrere zuckergesüßte Erfrischungsgetränke pro Woche tranken – im Durchschnitt fünf pro Woche – hatten ein um 87 Prozent höheres Risiko, an Krebs zu erkranken, als die, die keine Limonaden tranken. 

Quellen: 
[1] Archer E et al. (2018) The failure to measure dietary intake engendered a fictional discourse on diet-disease relations. Front Nutr 5: 105. Young SS, Karr A (2011). Deming, data, and observational studies: a process out of control and needing fixing. Significance 8: 116-20.
2 https://scienceblog.cancerresearchuk.org/2018/10/18/science-surgery-how-quickly-do-tumours-develop/
3 https://www.unesda.eu/wp-content/uploads/2018/08/EU-UNESDA-2018.xlsx
4 https://www.gov.uk/government/publications/sacn-carbohydrates-and-health-report
5 Cesar TB et al. (2010) Nutr Res 30: 689–94. Cerletti C et al. (2015) Thromb Res 135(2): 255–9. Rocha DMUP et al. (2017) Food Funct 8: 4396-4403. Buscemi S et al. (2012) Am J Clin Nutr 95(5): 1089–95. Ribeiro C et al. (2017) Nutrition 38: 13-9. Ghanim et al. (2010) Am J Clin Nutr 91: 940–9.

6 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2584181/
7 Murphy MM et al. (2017) J Nutr Sci 6: e59. Wang B et al. (2014) PLoS ONE 9: e95323.

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