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Masern: Seuche mit gefährlichen Spätfolgen

Deutschland wird von den Masern heimgesucht. Allein im ersten Halbjahr 2013 haben sich 1070 Personen damit infiziert, im Vorjahr waren es gerade einmal 166. Die von vielen als harmlos eingestufte Kinderkrankheit ist alles andere als harmlos - sondern eine sehr gefährlich Infektionskrankheit mit möglicherweise tödlichem Ausgang. Eine Studie belegt jetzt, wie gefährlich - auch über einen längeren Zeitraum - Masern vor allem für Kinder sind.

In München starb ein 26-Jähriger an den Folgen einer Maserninfektion. Bis Anfang Mai hat das Gesundheitsamt 108 Kranke gezählt, im direkten Umland waren es 30, im Raum Bad Tölz und Garmisch weitere 30. In Erftstadt bei Köln musste eine Schule geschlossen werden, weil gleichzeitig zehn Schüler erkrankten. Erkrankungsschwerpunkte sind laut Robert-Koch-Institut Bayern (422 Fälle) und Berlin (360 Fälle), Stand Anfang Juli 2013. Derartige Horrormeldungen häufen sich derzeit und schon werden Forderungen laut, eine Impfpflicht einzuführen.

Tatsächlich ist die Impfmüdigkeit in unserem Land weit verbreitet. Experten rechnen vor, dass es eine Durchimpfungsrate von 95% braucht, um die Verbreitung der Seuche in den Griff zu bekommen. Hierzulande sind wohl 90% gegen Masern geimpft. Höchstens. An der Waldorfschule in Erftstadt waren von den 400 Schülern nur 100 ausreichend geimpft.

Ob Impfangst, Impfmüdigkeit, schlichtes Vergessen oder Gleichgültigkeit dahinter steckt, eine Maserninfektion ist kein Spass. Masern waren früher einmal eine der meistgefürchteten Seuchen, tödlich ist sie noch heute. Gerade bei Kleinkindern ist eine Maserninfektion mit einem hohen Risiko für tödliche Komplikationen verbunden. Und das kann erst Jahre später auftreten, wie das Beispiel eines Schülers aus Bad Salzuflen beweist, der sich im Alter von fünf Monaten ansteckte. Zuerst schien es so, als habe das Kind die Infektion ohne Probleme überstanden. Erst im Alter von fünf Jahren trat eine Gehirnentzündung als Folge der Masernviren auf, Ärzte nennen diese Erkrankung subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Für den Jungen begann ein langes Leiden, er verstarb im Alter von 14 Jahren.

Wissenschaftler der Universität Würzburg und vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim haben heraus gefunden, dass die Annahme, dass es sich bei der SSPE um eine seltene Spätkomplikation der Masern handelt, falsch ist. Galt bisher, dass SSPE in einem von 100.000 Fällen auftritt, berechneten die Wissenschaftler das Durchschnittsrisiko für Kinder unter fünf Jahren auf einen Wert von 1 zu 3300. Im ersten Lebensjahr liegt das Risiko wahrscheinlich deutlich höher.

Die SSPE  ist eine Entzündung des Gehirns. Benedikt Weißbrich von der Universität Würzburg beschreibt die Symptome so: „Die SSPE betrifft vor allem Kinder und tritt in der Regel erst mehrere Jahre nach der akuten Masern-Erkrankung auf. Sie führt zu einem schleichenden Verlust aller geistigen Fähigkeiten und endet im Wachkoma, in dem die Betroffenen nach wenigen Monaten oder auch Jahren versterben. Eine Behandlung der SSPE ist nicht möglich.“,

Weißbrich und Kollegen haben in einem Zeitraum von sechs Jahren 31 SSPE-Fälle in Deutschland ermittelt. Sie warnen, dass eine Masern-Impfung zwar vor SSPE schützt. Diese Impfung aber erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat durchgeführt wird. Deshalb müssten möglichst viele gegen Masern geimpft werden, damit Kinder im ersten Lebensjahr vor einer Ansteckung durch andere geschützt würden.


Berliner Ärzteblatt 16.07.2013/ Quelle: PLoS ONE
Masern: Immer noch da, immer noch gefährlich

Masern: Von wegen Kinderkrankheit

Impfen: Eigentlich schon, aber.....

Masern: Mangelnder Impfschutz begünstigt Ausbruch

 
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