Fast 200.000 Menschen erleiden jedes Jahr in
Deutschland einen Schlaganfall. Doch nicht alle erhalten eine rechtzeitige und
qualitativ hochwertige medizinische Behandlung – mit teilweise schwer wiegenden
Konsequenzen für den Genesungsprozess.
Noch immer werden bundesweit viele Schlaganfallpatienten
viel zu spät behandelt, stellt Oberarzt Dr. Tobias Müller vom
Universitätsklinikum Halle fest. „Viele Patienten erkennen die Symptome wie
Seh- und Sprechschwierigkeiten oder Lähmungen nicht als die Zeichen eines
Schlaganfalls.“
Dabei könnten durch eine Thrombolyse – sie muss in der Regel
innerhalb von drei Stunden nach Symptombeginn durchgeführt werden und löst
Blutgerinnsel im Gehirn auf – viele Folgeschäden gemildert oder gar verhindert
werden. Je mehr Zeit bist zur Behandlung vergeht, um so schwer wiegender sind
die Folgen. Müller: „Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall.“
Nach neuesten Schätzungen ereignen sich in Deutschland
jährlich etwa 200.000 erstmalige Schlaganfälle. Knapp 20 Prozent der
Schlaganfall-Patienten sterben laut Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Etwa die
Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach Ereignis
dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen.
Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser
Erkrankung. Alarmierende Zahlen, denn das macht den Schlaganfall nach Krebs-
und Herzerkrankungen zur dritthäufigsten Todesursache in Deutschland. Die
häufigsten Folgen des Schlaganfalls sind neben einseitigen Lähmungen und
Gefühlsstörungen der Arme und Beine, die Sprach-, Schluck-, Seh-, und
Gleichgewichtsstörungen sowie Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen. Bei mehr
als 50 Prozent der Betroffenen ist mit depressiven Folgeerkrankungen zu
rechnen.
Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe sowie die Deutsche
Schlaganfallgesellschaft haben zur Sicherung der Behandlungsqualität ein
Zertifizierungsverfahren für Kliniken entwickelt, dabei werden unter anderem
die Gesamtdiagnostik, Therapie, Sekundärprophylaxe sowie Aufklärung und
Rehabilitation bewertet.
WANC 29.05.06