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Laute Explosionen von Silvesterfeuerwerk oder -knallern können das Gehör schädigen (Foto: Stock photo)
Silvester: Alarm fürs Gehör

Die lauten Explosionen der Silvesterknaller können Ohrensausen oder gar dauerhafte Hörschäden verursachen. Der Grund: Silvesterböller erreichen eine Lautstärke, die höher liegt als die eines Presslufthammers oder einer Motorsäge und sogar die eines startenden Düsenjets übertönen kann. Tückischerweise wird das subjektiv gar nicht so laut empfunden. Doch wer den Knallern zu nahe kommt, schädigt sein Gehör.



Knall- und Explosionstraumata durch Feuerwerkskörper werden durch Impulslärm, d. h. durch Lärm mit hohen Schalldruckspitzen, hervorgerufen. Schallimpulse von Feuerwerkskörpern – gezündet in einem Abstand von zwei Metern – können Spitzenpegel von 145 bis über 160 Dezibel (dB) erreichen (zum Vergleich: ein Düsenflugzeug liegt bei ca. 150 dB). Bei öffentlichen Feuerwerken werden in unmittelbarer Umgebung Spitzenpegel von bis zu 190 dB und in weiterer Entfernung noch circa 150 dB gemessen. Signal- und Schreckschusspistolen erreichen Pegel bis maximal 181 dB.

Manchmal reicht bereits ein einziger Knall, um ein Knalltrauma auszulösen und das Gehör irreparabel zu schädigen. Der Grund: Rund eine Zehntelsekunde braucht das Gehör, um sich auf eine bestimmte Lautstärke einzustellen. Die meisten Knaller dauern jedoch nur zwischen einer und drei Millisekunden. Das Gehör kann so nicht rechtzeitig genug den Knall erfassen und entsprechende Schutzmechanismen entwickeln. Zudem bewegen sich Knalle und Schüsse meist im oberen Frequenzbereich, der bei großer Lautstärke für die Ohren besonders gefährlich sein kann. Und auch auf die Entfernung kommt es an: „Je näher der Knaller am Ohr, desto schlimmer der Hörschaden“, warnt Dr. Jürgen Viezens, DAK-Experte und Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Solcher Impulslärm durch Knaller und Böller ist fürs Gehör gefährlicher als Dauerlärm, warnen Experten. In einer von Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Zenner (HNO-Universitätsklinik Tübingen) geleiteten Untersuchung wurden zum Jahreswechsel 1999/2000 deutschlandweit Daten von Patienten mit Gehörschäden durch Silvester-Feuerwerkskörper erhoben.

Nach Hochrechnung der erfassten Daten schätzten die Mediziner eine Gesamtzahl von 8.160 hörgeschädigten Patienten in der Silvesternacht. Übrigens waren Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen, und fast 60 Prozent der Patienten waren unter 25 Jahre alt. In 84 Prozent aller Fälle war Tinnitus begleitendes oder Hauptsymptom. Jeder Zwanzigste trug einen Trommelfellschaden davon.

Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche, weil sie sich der Gefahr nicht bewusst und entsprechend unvorsichtig sind. Eine Untersuchung der Universität Gießen zeigt, dass jedes zehnte Kind Hörschäden aufweist, die sich auf Kinderpistolen oder Silvester-Böller zurückführen lassen. Die Daten der DAK zeigen ein ähnliches Bild: In den letzten Jahren ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ein Hörgerät benötigen, um 38 Prozent angestiegen. Die Vermutung, dass für den massiven Hörverlust neben Ohrhörern von MP-3-Playern auch Silvester-Knaller verantwortlich sind, liegt laut der Krankenkasse nahe.

WANC 28.12.09/ Quelle: dgk, DAK

Hörschäden bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu

Trommelfellverletzungen

 
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