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Übermäßiger Lärm oder ständig laute Musik über Kopfhörer können das Gehör schädigen
Schleichender Tod im Ohr

Wenn es am Wochenende in der Disko oder durch den iPod etwas auf die Ohren gibt, dann droht Gefahr. Experten warnen, dass übermäßiger Lärm oder länger andauernde Beschallung das Hörvermögen schädigen können. Denn schon drei Dezibel lautere Geräusche – ein kaum hörbarer Unterschied – verdoppeln die Schallenergie. Und das kann Haarzellen im Ohr absterben lassen, was zwar keine Schmerzen verursacht, aber zu einem schleichenden Hörverlust führt.

Diskobesuche und ständiges mp3-Hören in der Jugend können gravierende Hörschäden im Alter hervor rufen. Davor warnen Experten des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. „Die meisten Jugendlichen hören ihre mp3s in vernünftigen Lautstärken. Dennoch können die vielen Ohrstöpsel-Stunden zu schaffen machen", warnt IFA-Lärmschutzexperte Martin Liedtke. Besonders dramatisch sind jedoch die Folgen des Diskobesuchs am Wochenende. „Dauert dieser auch nur zwei Stunden, so kann er zu späteren Gehörschäden zehnmal mehr beitragen bei als eine komplette Arbeitswoche im Lärm. Leider passt man eben bei Dingen, die Spaß machen, automatisch weniger auf."

Das Diskotheken-Lärmproblem geht auf den hohen Schallpegel zurück. Während dieser in Schweizer Diskos auf 93 Dezibel (dB (A)) beschränkt ist, gibt es in Deutschland keine Regelungen. „Mehrheitlich wird die 100 dB (A)-Grenze überschritten. Nur in einzelnen Bundesländer werden Diskjockeys darin ausgebildet, auf den Schallpegel zu achten. Zudem ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Diskos in den vergangenen Jahren von zwei auf bis zu fünf Stunden gestiegen, was das Risiko deutlich erhöht", erklärt der Hörspezialist.

Beeinträchtigungen des Gehörs durch Lärm am Arbeitsplatz sind ab einem Pegel von 85 dB (A) möglich, weshalb ab dieser Grenze auch Gehörschutz und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen vorgeschrieben sind. Lauter Freizeitlärm wie etwa beim mp3-Player kratzt an der 90 dB (A)-Grenze, während in Livekonzerten oder Diskotheken 100 dB (A) und mehr üblich sind. „Übersehen wird meistens, dass sich die Schallenergie bei einem kaum hörbaren Unterschied von drei Dezibel bereits verdoppelt", so Liedtke.

Schwer vermittelbar ist das Thema deshalb, da die Hörverschlechterung nur schleichend eintritt. Zu lauter Lärm lässt Haarzellen im Ohr absterben, was jedoch keine Schmerzen verursacht. „Lange Zeit merkt man selbst nichts davon und gewöhnt sich an die langsam abnehmende Hörfähigkeit, bis irgendwann der Einbruch erfolgt. Der natürlich vorprogrammierte Hörverlust im Alter läuft dann deutlich schneller und stärker ab. Folgen sind, dass man plötzlich die Vögel nicht mehr hört, Probleme mit der akustischen Orientierung bis hin zum Rückzug aus der Gesellschaft."

Zur besseren Einschätzung der eigenen Lärmexposition bietet das IFA ein kostenloses Computerprogramm, das nach Eingabe der wöchentlichen Lärmstunden mögliche Risiken für das Ohr anzeigt. „Wer bei der Auswertung im roten Bereich liegt, sollte Gegenmaßnahmen wie etwa einen Gehörschutz in der Disko überlegen", rät Liedtke. Mehr Sensiblisierung soll auch ein am University College London entwickelter Lärmverlust-Demonstrator bieten. Er zeigt etwa, wie schwierig es bei bestehender Hörminderung ist, bei Hintergrundgeräuschen Gespräche zu verstehen.

Die Beschränkung der Maximallautstärke der mp3-Player, die von der Ärzteschaft immer wieder gefordert wird, hat es indes bereits auf die Agenda der EU-Kommission geschafft. „In Überlegung ist, übermäßig starke Schallpegel per Norm zu unterbinden. Bisher sind die Gerätehersteller nur zu einem Warnhinweis in der Gebrauchsanleitung verpflichtet. Sinnvoll wäre jedoch auch, wenn etwa der iPod dem Nutzer Rückmeldung gibt, ab wann das Hören bei Maximallautstärke gefährlich ist", regt Liedtke an.

26.04.2011/ Quelle: Institut für Arbeitsschutz (IFA), pte

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