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COPD beginnt mit Husten und Auswurf nur ab und zu am Morgen - so bald sie täglich auftreten, sind sie chronisch geworden (Foto: DAK)
COPD: Unterschätzte Epidemie

Zwei Drittel der Kranken mit chronischen Atemwegserkrankungen (chronisch obstruktive Lungenerkrankung = COPD) werden von Ärzten nicht diagnostiziert. Allerdings bestrehen in Europa große Versorgungsunterschiede. Und das, obwohl die Zahl der Betroffenen ständig zunimmt. Weil die unentdeckten Patienten natürlich auch nicht behandelt werden, leiden sie unter einer schnell voranschreitenden Einschränkung der Lungenfunkion. Den Mangel an Diagnose und Therapie führen Lungenärzte auf Geldmangel, fehlende Aufklärungskampagnen und einheitliche Screening-Standards sowie nicht vorhandene Vorgaben für die Früherkennung zurück.

Mehr als 44 Millionen Menschen in Europa und 210 Millionen Menschen leiden unter COPD, einer chronisch fortschreitenden Lungenerkrankung, die das Atmen massiv beeinträchtigt. Eine wesentliche Krankheitsursache ist das Rauchen („Raucherlunge“). 75 Prozent der Betroffenen werden WHO-Daten zufolge nicht oder erst in einem sehr späten Stadium diagnostiziert. Dazu kommen große regionale Unterschiede bei Früherkennung und Behandlung quer durch Europa: In den Niederlanden beispielsweise ist die Früherkennungsrate besonders hoch, andere Länder hinken hier weit hinterher. So  schätzen Experten, dass in Großbritannien etwa zwei der drei Millionen COPD-Patienten nicht diagnostiziert sind.

Professor Klaus Rabe, President Elect der European Respiratory Society, kritisierte die großen Versorgungsunterschiede in Europa, gegen die dringend Maßnahmen ergriffen werden müssten: „Wir  müssen beim Management von COPD in den verschiedenen  europäischen Ländern mehr Fairness und einen gleichen Zugang zur Versorgung schaffen. Zentral ist eine verbesserte Früherkennung, damit auch die Therapie früher einsetzen kann. Lungenfunktionsmessungen sollten daher in allen EU-Ländern in den Rückerstattungskatalog aufgenommen werden.  Die Schäden, die COPD an der Lunge anrichtet, lassen sich nicht rückgängig machen. Je früher wir Betroffene also diagnostizieren und behandeln, desto besser sind auch ihre Aussichten und desto geringer sind die psychischen, physischen und finanziellen Belastungen.“

Die Nationale VersorgungsLeitlinie COPD beurteilt die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (Chronic Obstructive Pulmonary Disease, abgekürzt: COPD) als eine der weltweit führenden Todesursachen, die “dennoch vielfach unterschätzt” werde: “Lag sie 1990 noch an sechster Stelle der häufigsten Todesursachen, so wird die COPD bis zum Jahr 2020 auf den dritten Platz vorrücken. Im gleichen Zeitraum wird sie in der Morbiditätsstatistik vom gegenwärtig vierten ebenfalls auf den dritten Platz gelangen. Trotz dieser alarmierenden Entwicklung muss auch für Deutschland festgestellt werden, dass die COPD vielerorts noch immer zu wenig beachtet, zu wenig diagnostiziert und zu wenig behandelt wird. Dies trifft selbst für fortgeschrittene Erkrankungsstadien zu, in denen es bereits zu irreversiblen Einschränkungen der Lungenfunktion gekommen ist.

COPD beginnt mit Husten und Auswurf nur ab und zu am Morgen. Im Laufe der Zeit werden die Beschwerden stetig schlimmer und schlimmer. Um die Bronchien frei zu bekommen und gut atmen zu können, muss Schleim immer häufiger abgehustet werden. Doch schon bald treten die Beschwerden täglich auf – sie sind chronisch geworden.

Die medizinische Fachzeitschrift Medical Tribune beschreibt die Folgen: „Besteht eine COPD über viele Jahre, kann sich daraus ein so genanntes Lungenemphysem entwickeln. Die normalerweise elastischen Lungenbläschen, in denen der Sauerstoffaustausch stattfindet, sind zerstört. Schlaffe große Lungenblasen und teilweise zerstörtes Lungengewebe führen zu einer sogenannten „Überblähung“ der Lunge. Die erschlafften Bronchien klappen bei der Ausatmung zusammen, so dass die Patienten die Luft nur erwschwert ausatmen können. So entsteht ein Sauerstoffmangel und zusätzlich wird das Herz übermäßig belastet. Häufig kommt es dadurch auch zu einer Herzschwäche.“

Unbehandelt führt die Erkrankung mit ihrer zunehmenden Atemnot zu einer schweren Beeinträchtigung der Lebensqualität. Und verschlingt viel Geld: Chronische Atemwegserkrankungen kosten die Europäischen Volkswirtschaften mehr als 102 Milliarden Euro pro Jahr, allein die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD verursacht jährliche Kosten von mehr als 50 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Und weil die COPD vor allem Menschen zwischen 40 and 65 Jahren betrifft, die noch im Arbeitsprozess stehen, ist die Erkrankung jährlich für einen Produktivitätsverlust von 28,5 Milliarden Euro verantwortlich.

Diese Epidemie werde häufig unterschätzt, kritisierten Experten beim European Health Forum Gastein. Bis zu 75 Prozent der COPD-Patienten würden gar nicht diagnostiziert und kommen so nicht in den Genuss einer geeigneten Behandlung.

Lungenfachärzte und Patientenorganisationen fordern auch, dass chronische Lungenerkrankungen in den EU-Staaten eine gesundheitspolitische Priorität eingräumt werden müsste. Die Gesundheitssysteme müssten für Patienten mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD einen besseren Zugang zu Diagnose und Therapie sicherstellen, der epidemischen Verbreitung dieser Krankheiten müsse auf EU-Ebene rasch mit umfassenden und integrierten Maßnahmen begegnet werden.  


„Früherkennung und ein früher Therapiebeginn erhöhen die Chancen, die Krankheitsfolgen besser in den Griff zu bekommen. Das bedeutet für die Betroffenen eine bessere Lebensqualität und eine höhere Lebenserwartung“, betonte  Marianella Salapatas, Präsidentin des Patienten-Dachverbandes European Federation of Allergy and Airways Diseases Patients’ Associations. „Wir brauchen europaweit koordinierte Aufklärungskampagnen, einheitliche Screening-Standards und klare Vorgaben für die Früherkennung und Behandlung von COPD.”

Anmerkung: Die Vorgaben für Früherkennung und Behandlung einer COPD gibt es mit der der Nationalen VersorgungsLeitlinie COPD durchaus. Das Problem: Wenn die Behandler – also die Ärzte – sie nicht befolgen, bringt es gar nichts. Und da Leitlinien keine Richtlinien sind – also nur freiwillig befolgt werden müssen – bleibt vieles im Ungefähren. Die alte Leier, einfach mehr Geld fordern, verfolgen inzwischen fast alle Arztgruppen. Aber Geld allein bringt so lange nichts, wie medizinisches Wissen, das in derartigen Leitlinien niedergeschrieben wurde, nicht auch richtig angewendet wird.

WANC 12.10.10, Quelle: European Health Forum Gastein: “Chronic respiratory disease: a neglected epidemic“, European Respiratory Society, European Federation of Allergy, Airways Diseases Patients’ Associations

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