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Probiotika werden oft Lebensmitteln - beispielsweise Joghurt - zugesetzt (Foto: michael hirschka/ pixelio.de)
Probiotika werden oft Lebensmitteln - beispielsweise Joghurt - zugesetzt (Foto: michael hirschka/ pixelio.de)
Probiotika senken leicht den Blutdruck

Probiotika sollen dem Darm helfen, gesund zu bleiben und gut zu funktionieren. Inzwischen füllen viele Produkte, die das versprechen, die Regale der Lebensmittelgeschäfte. Inzwischen versuchen Studien auch nachzuweisen, dass Probiotika das Immunsystem stärken und so gegen Allergien und sogar Krebserkrankungen vorbeugen können. Jetzt legt die amerikanischen Kardiologen-Gesellschaft (American Heart Association) eine Untersuchung vor, die belegen soll, dass Probiotika auch den Blutdruck senken können.

Dr. Jing Sun von der Griffith Universität in Australien, der die Studie durchgeführt hat, meint: "Der regelmäßige Verzehr von Probiotika kann Teil eines gesunden Lebensstils sein, um einen hohen Blutdruck zu reduzieren und normale Blutdruckwerte zu erhalten." Hersteller dürften sich da vor Freude auf die Schenkel klatschen, denn eine bessere Werbebotschaft hätten sie selbst kaum erfinden können. Doch es lohnt sich, einmal genauer hinzuschauen.

Sun hat Daten von klinischen Studien mit 543 Teilnehmern ausgewertet. Dabei stellte sich dann heraus, dass der Verzehr von probiotischen Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln den Blutdruck senkte. Im Durchschnitt waren es beim systolischen Blutdruck - 3,56 mmHg und beim diastolischen Blutdruck - 2,38 mmHg. Sun bewertet diese Reduzierung als signifikant, was in der medizinischen Statistik allerdings auch nicht mehr bedeutet, als dass ein Zusammenhang vorliegt, der nicht mehr nun auf Zufall beruhen kann.

Tatsächlich ist die Breite der Messergebnisse groß: Sie liegt beim systolischen Blutdruck zwischen - 6,46 und - 0.66 mmHg und beim diastolischen Blutdruck zwischen - 2,38 und - 0,93 mmHg. Das ist nun nicht so wahnsinnig viel. Das Deutsche Ärzteblatt kommentiert die Studie denn auch so: "Die blutdrucksenkende Wirkung der Probiotika fällt insgesamt gering aus."

Hinzu kommt, dass die besten Ergebnisse nur unter ganz bestimmten Bedingungen erreicht wurden. So müssen die Probiotika mindestens 10 hoch 9 koloniebildende Einheiten (KBE, bestimmt die Menge der enthaltenen Mikroorganismen) enthalten. Probiotika mit mehreren Bakterienstämmen senkten den Blutdruck stärker als solche mit nur einem Stamm. Eine wirklichen Effekt hatten die Probiotika bei Patienten mit einem Blutdruck von über 130/85 mmHG, also ab einem Blutdruck, der als "hochnormal" eingestuft wird und damit bereits knapp am krankhaften Geschehen vorbei schrammt. Die Probiotika wirkten nur, wenn sie mindestens acht Wochen eingenommen wurden.

Sun macht auf weitere Vorteile von Probiotika aufmerksam, denn der Cholesterinhaushalt werde positiv beeinflusst, die Blutzuckerwerte und die Insulinresistenz - eine Vorstufe zum Diabetes - vermindert und das Hormonsystem, dass den Blutdruck und Blutfluß reguliert, unterstützt. Doch wie für die meisten positiven Wirkungen von Probiotika gibt es auch für die von Sun ins Feld geführten noch keine wirklichen Beweise, sondern allenfalls Anhaltspunkte. Das heißt nichts anderes, als dass es so sein könnte oder auch nicht.

Im übrigen scheint es so zu sein: Probiotika helfen nicht jedem. Es gibt Menschen, bei denen sie durchaus Wirkungen erzielen, es gibt aber auch andere, bei denen sie wenig oder nichts bewirken. Und es gibt auch Patienten, denen Probiotika schaden können. Beispielsweise verschlimmert sich der Gesundheitszustand von Patienten mit schweren Entzündungen der Bauchspeicheldrüse beim Verzehr von Probiotika. Auch sollten Patienten mit einem stark geschwächten Immunsystem die Finger von Probiotika lassen.

Berliner Ärzteblatt 25.07.2014/ Quelle: Hypertension

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