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Schlaganfall: Neue Wirkstoffe sollen Prävention verbessern

Neue Wirkstoffe sollen einem Schlaganfall effektiver vorbeugen können. Diese Hoffnung verbreitet jedenfalls die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). So soll beispielsweise der Wirkstoff Dabigatran die Behandlung vereinfachen und Gefahren einer inneren Blutungen verringern.

Was dabei verbessert wird, beschreibt die Gesellschaft so. Bisher werden die betroffenen Patienten mit einem hohen Schlaganfallrisiko mit Medikamenten (z.B. Phenprocoumon - Marcumar®) behandelt, die eine regelmäßige Prüfung des INR-Wertes (je höher der Wert, desto geringer die Gefahr einer Verklumpung des Blutes und der Bildung einer Thrombose) notwendig machen. Denn bei einer Überdosierung ist das Risiko für innere Blutungen lebensgefährlich. Jetzt gibt es sogenannte Thrombin-Inhibitoren, bei denen keine ständige Dosisanpassung nach Bestimmung der Gerinnungsparameter erforderlich ist.

Zu diesen neuen Substanzen gehört Dabigatran (Pradaxa®) von Boehringer. Doch das Medikament dürfte schon bald Konkurrenz erhalten. Bristol-Myers Squibb und Pfizer haben mit Apixaban und Merck & Co und Portola Pharmaceutical mit Betrixaban ähnliche Wirkstoffe in der Entwicklung.

Dabigatran wurde an mehr als 18.000 Patienten in 44 Ländern getestet. Dabei wurden Patienten ausgewählt, die unter  Vorhofflimmern leiden und ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben. Beim Vorhofflimmern kommt das Herz aus dem Takt, der Herzrhythmus ist also gestört. Im Durchschnitt leidet darunter einer von hundert Menschen. Bei den über 80-Jährigen sind es zehn. 

Geprüft wurden zwei verschiedene Dosierungen von Dabigatran, nämlich zweimalal täglich 110 Milligramm und zweimal täglich 150 Milligramm. Die Studienergebnisse zeigen laut DGN, dass mit der niedrigeren Dosis von Dabigatran das Risiko von Schlaganfällen und systemischen Embolien ebenso stark gesenkt wurde, wie mit der bisherigen Standardmedikation. Schwerwiegende Blutungen traten aber viel seltener auf. Die Wirkung der höheren Dosis von Dagibatran fiel dagegen besser aus. Allerdings waren Blutungen auch wesentlich häufiger und bewegten sich im Rahmen der Standardmedikation.


Berliner Ärzteblatt 05.08.2011/ Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Circulation. 2011 May 31;123(21):2363-72

Aktualisierung: Mittlerweile häufen sich Meldungen, dass durch Paradaxa vermehrt Blutungen auftreten. Weltweit soll es zu 260 Todesfällen gekommen sein. In einer Stellungnahme widersprechen die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft und die Deutsche Herzstiftung der Behauptung, dass das Medikament das Risiko für Blutungen erhöht. Das sei falsch, so die Gesellschaften. Weil Dabigatran über die Nieren ausgeschieden werde, dürften Patienten eine Behandlung deshalb nur dann erhalten, wenn sie nicht unter einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion leiden.
Weitere Informationen:
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