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Gewebeschnitt eines Herzens: Die schädlichen Eiweißablagerungen – das Amyloid - sind leuchtend rot gefärbt, schwarz die Zellkerne der Herzmuskelzellen. (Foto: Universitätsklinikum Heidelberg)
Gewebeschnitt eines Herzens: Die schädlichen Eiweißablagerungen – das Amyloid - sind leuchtend rot gefärbt, schwarz die Zellkerne der Herzmuskelzellen. (Foto: Universitätsklinikum Heidelberg)
Eiweißablagerung im Herzen: Früher erkennen, besser behandeln

Eiweißablagerungen in Organen können diese nachhaltig schädigen. Und zwar so, dass sie schließlich versagen. Das betrifft insbesondere das Herz. Weil es noch keine Therapie gibt, diese einmal angesammelten Eiweißablagerungen aufzulösen, müssen sie möglichst früh erkannt werden, um gegensteuern zu können. Jetzt haben Kardiologen und Hämatologen der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg ein Ultraschallverfahren entwickelt, das schädliche Eiweißablagerungen im Herzen früher und zuverlässiger entdeckt als bisherige Methoden.

Ärzte nennen die Krankheit Amyloidose. Bei Patienten, die darunter leiden, lagert sich Eiweiß im feinen Zwischenzellraum verschiedener Organe ab. Mit der Zeit verändern sich betroffene Organe: Sie vergrößern und verhärten sich, werden "speckartig". Amyloidosen können aufgrund verschiedener Grundkrankheiten entstehen. Ein Grund, warum die Ablagerungen entstehen, ist die sogenannte Leichtketten-Amyloidose - eine seltene Knochenmarkserkrankung. Die Erkrankung des Knochenmarks sorgt dafür, dass krankhaft veränderte Immunzellen fehlerhaft geformte Eiweiße bilden und diese ins Blut abgeben. Nach Schätzungen der Heidelberger Experten wird die bisher unheilbare Erkrankung jährlich bei rund 800 Menschen in Deutschland diagnostiziert; bei mehr als der Hälfte der Patienten ist besonders das Herz betroffen.

Patienten werden durch eine Chemotherapie behandelt, um die krankhaft veränderten Knochenmarkszellen abzutöten. Ziel ist es, dass sich weniger Amyloid bildet oder die Produktion sogar ganz gestoppt wird. Dies gelingt bei ungefähr der Hälfte der Patienten. Das Problem dabei: Das bereits im Körper vorhandene Amyloid kann nur in geringem Maße abgebaut werden. Noch existiert kein Behandlungsverfahren, das die Ablagerung auflöst, die Schädigungen also rückgängig machen kann. Deshalb können sich das befallene sich Herz und andere Organe nicht erholen und müssen zusätzlich therapiert werden.

Häufig werden die Schädigungen des Herzens aber erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt, da der Funktionsverlust schleichend und ohne besondere Symptome verläuft. Das Herz ist dann bereits schwer geschädigt und krankhaft verändert, die Patienten sterben durchschnittlich innerhalb eines Jahres an Herzversagen, weiß Prof. Dr. Stefan Hardt, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie. Eine frühere Diagnose würde helfen, das Herz länger funktionsfähig zu erhalten.

Mit der sogenannten Deformationsanalyse, einer neuen Methode der Ultraschalldiagnostik, können Kardiologen nun messen, wie sich der Herzmuskel während der Kontraktion verformt. Hat sich Amyloid im Herzen abgelagert, ist der Herzmuskel versteift und kann sich nicht mehr gleichmäßig zusammenziehen. Weil die Ärzte das bereits erkennen können, bevor die Herzschwäche einsetzt, können sie den Zustand des Herzens genauer beurteilen als bisher. Und damit können sie mit der Behandlung des Herzens viel früher einsetzen als bisher, was die Überlebenszeit der Patienten verlängern hilft.

Berliner Ärzteblatt 21.11.2012/ Quelle: Am Coll Cardiol. 2012 Sep 18;60(12):1067-76.
 
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