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ASS: Möglicherweise zur Prävention doch nicht so geeignet

Acetylsalicylsäure (ASS, der bekannteste Vertreter ist Aspirin) soll, so jedenfalls die weit gestreute Hoffnung, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Neuerdings auch vor Krebs. Doch ob der Schutz vor einem neuen Herzinfarkt oder Schlaganfall funktioniert, ist eher fraglich.

Dass ASS seinen Nutzen haben kann, dafür gibt es viele Belege. Demnach schützt es Patienten nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt vor neuen derartigen Ereignissen, der Nutzen liegt auch höher als das Risiko für Blutungen. Weil dem so ist, erhalten heute die meisten Herz-Kreislauf-Patienten ASS in einer niedrigen Dosis, z.B. 100 mg täglich.

Ebenso ist es heute aber durchaus gängige Praxis, Patienten, die weder Herzinfarkt noch Schlaganfall erlitten haben, ab einem Alter von 65 Jahren ASS zu verabreichen. Und zwar sowohl Gesunden wie auch Patienten mit mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor ab einem Alter von 60 bis 65 Jahren. In der vorliegenden Untersuchung wurden 19.114 Patienten zwischen 2010 und 2014 im Alter von durchschnittlich 65 Jahren erfaßt. Keiner hatte einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. Es lagen aber bei rund 75% der Risikofaktor hoher Blutdruck vor, bei zwei Dritteln hohes Cholesterin, bei 11% Typ-2-Diabetes und bei 25% schlechte Nierenfuktion. Die Hälfte der Studienteilnehmer erhielt eine ASS-Therapie, die andere Hälfte nicht. 

Im Studienzeitraum traten in der Gruppe, die ASS eingenommen hatte, 448 Fälle von Herzinfarkten und Schlaganfällen auf, in der Gruppe ohne Medikation 474 solcher Erkrankungen. Das ist nach Einschätzung von Mediziner kein bedeutsamer Unterschied, Statistiker nennen das „nicht signifikant“. 

Was sich aber deutlich unterschied, war die Zahl schwerer Blutungen. Die trat in der ASS-Gruppe bei 361 Teilnehmern auf, in der Gruppe ohne ASS dagegen nur 265 mal. Das bedeutet laut der Studie ein erhöhtes Blutungsrisiko in der ASS-Gruppe von 38%.

Die Studie fand aber auch heraus, dass bei jüngeren Patienten die ASS-Gabe zu einem um 17% verminderten Risiko für Herzinfarkt und um 14% für Schlaganfall führte. Auch war die Blutungsgefahr bei jüngeren Menschen wesentlich geringer als bei älteren. 

Die Mediziner, die die Studie durchgeführt haben, ziehen das Fazit, dass insbesondere bei älteren Menschen die präventive Gabe von ASS keine wirklichen Vorteil bietet, weil bei sich bei einer vermehrten Blutungsgefahr das Risiko von Schlaganfall und Herzinfarkt nicht übermäßig vermindert. Allerdings enthalten sie sich des Ratschlages, auf das Verschreiben von ASS in solchen Fällen zu verzichten. 

Eine weitere Auswertung der Studie beschäftigte sich mit Krebserkrankungen. Die Fakten lassen nicht unbedingt darauf hoffen, dass ASS eine krebsvorbeugende Wirkung haben könnte. In der ASS-Gruppe wurden nämlich 295 Krebstodesfälle gezählt, in der ohne ASS dagegen 227. Das bedeutet - rein statistisch - ein um 31% erhöhtes Krebsrisiko durch ASS.  

18.9.2018 cs / Quelle NEJM

Wer ASS einfach absetzt, läuft damit Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden

Nutzen präventiver Thrombosetherapie umstritten

 
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