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Foto: obs/NDR
Blutgefäß von innen: Transportleitungen des Körpers (Foto: obs/NDR)
Schlechte Blutgefäße – schlechte Gesundheit

Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße. Dass Ärzte, die sich mit kardiovaskulären Problemen – der Gefäßmedizin – befassen, das sagen, wundert nicht. Doch die Beschaffenheit der Gefäße spielt, so viel weiß man, in alle Bereiche der Medizin hinein. Sind die Gefäße – die Versorgungsleitungen - schlecht, leidet der gesamt Körper darunter. Denn die Organe werden nicht mehr ausreichend mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Schlechte Gefäße bedeuten deshalb schlechte Gesundheit.

Störungen der normalen Funktion von Blutgefäßen sind direkt oder indirekt an mehr als zwei Drittel aller Todesfälle in der Bundesrepublik beteiligt. Bei den wichtigsten und bedrohlichsten Volkskrankheiten, wie primäre Herz-Kreislauferkrankungen und Tumorerkrankungen, aber auch Diabetes, Augenerkrankungen und Hauterkrankungen, sind sie von Bedeutung. Die Gesundheit der Gefäße spielt deshalb praktisch in alle Bereiche der Medizin hinein.

Sind Gefäßerkrankungen nur eine Frage des Alters? Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen der Ruhr-Universität Bochum, nennt Studien, die auch ausschweifenden Lebensstil, Fettstoffwechselstörungen und genetische Faktoren als Risikomarker für koronare Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Schlaganfall ausweisen. Dennoch sei das zunehmende Alter ein wesentlicher Risikofaktor für Gefäßerkrankungen - nicht unbedingt das Altern selbst, sondern vielmehr die Kombination aus verschiedenen Risiken, denen sich der Mensch mit seinem alternden Gefäßsystem im höheren Lebensalter ausgesetzt sieht.

Auch die soziale Stellung hat Einfluss auf das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen - nämlich über die Lebensstil- und Umweltfaktoren. Prof. Dr. Johannes Siegrist, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Düsseldorf, stellt fest, dass sich das Verteilungsmuster in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert hat: Waren früher sozial besser gestellte Schichten von Gefäßkrankheiten häufiger betroffen, so ist heute das Erkrankungsrisiko umso höher, je niedriger die soziale Stellung ist.

Nicht zuletzt hat körperliche Bewegung einen erheblichen Einfluß auch auf die Gesundheit der Gefäße. Prof. Dr. Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg betont, dass diese aber leider häufig verkannt werde.

Gefäßerkrankungen sind ein bedeutender Kostenfaktor im Gesundheitssystem und werden aufgrund der demographischen Entwicklung weiter zunehmen. Deshalb wird die vaskuläre Medizin vermehrt zu einem Forschungsschwerpunkt. Der ab 2009 von Mannheim aus koordinierte SFB-TR23 widmet sich als bisher einziger Sonderforschungsbereich in Deutschland ausschließlich der Blutgefäßforschung. Die Wissenschaftler der beteiligten Institutionen verfolgen gemeinsam das Ziel, normale und gestörte Funktionen von Blutgefäßen auf der molekularen und zellulären Ebene systematisch zu analysieren und damit die Basis für die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren zu schaffen.
 
WANC 07.10.09/ Quelle: Medizinische Fakultät Mannheim

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