Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Foto: Schlaganfall Hilfe
Schlaganfall - Hirninfarkt: Durch Rhythmusstörungen im Herzen oder in großen zum Gehirn führenden Gefäßen (1: Halsschlagader) können sich Blutgerinnsel (2) bilden. Diese gelangen mit dem Blutstrom ins Gehirn, wo sie eine Arterie verschließen (3). Das nachfolgende Hirngewebe wird nicht mehr oder nur mangelhaft durchblutet - es bekommt nicht mehr ausreichend Sauerstoff und stirbt ab (4). Auch eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose (5) kann einen Hirnfinfarkt verursachen. Bild: Deutsche Schlaganfall Hilfe
Schlaganfall: Strukturiert versorgt, besser versorgt

In den westlichen Industrienationen stellt der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache sowie die häufigste Ursache für bleibende körperliche und geistige Behinderungen dar. In vielen Fällen ist er mit einem abrupten Übergang vom aktiven Leben zu jahrelanger Pflegebedürftigkeit verbunden. Das Leid der Betroffen ist schon deshalb groß, weil ihnen oft geholfen werden könnte, aber nicht geholfen wird. Das ist so, stellt die Deutsche Schlaganfall Hilfe empört fest, „weil zum einen präventive Maßnahmen und wirksame Therapien häufig zu spät oder gar nicht eingesetzt werden und zum anderen nachweislich unwirksame Behandlungsformen im medizinischen Alltag weiter Anwendung finden“. Eine klar strukturierte Versorgung von Schlaganfallpatienten verbessert deren Überlebenschancen deutlich.

Eine optimale Schlaganfallversorgung muss drei Bedingungen erfüllen. „Wichtig ist vor allem der schnelle Transport des Patienten in ein spezielles Behandlungszentrum, eine sogenannte Stroke Unit. Die Betreuung dort muss zudem durch ein Expertenteam erfolgen, das aus spezialisierten Ärzten, Pflegekräften und verschiedenen Therapeuten besteht“, fordert Prof. Dr. Otto Busse, Generalsekretär der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Das dritte Merkmal einer guten Patientenversorgung ist eine Ergo- oder Physiotherapie nach einem Schlaganfall.

Wie deutlich sich eine klar strukturierte Versorgung auf die Überlebenschancen der Patienten auswirkt, zeigt eine aktuelle Auswertung des kanadischen Schlaganfallregisters: Waren zwei der drei der genannten Versorgungskriterien erfüllt, war das Sterberisiko um zwei Drittel niedriger als bei Patienten, bei denen nur ein oder kein Kriterium erfüllt war. „Auf fünf Patienten kommt einer, dem durch die strukturierte Versorgung zusätzlich das Leben gerettet wurde”, erklärt Prof. Dr. Martin Grond, Vorstandsmitglied der DSG.

Besonders günstig waren die Ergebnisse bei Patienten, bei denen der Schlaganfall durch ein Butgerinnsel im Herzen verursacht wurde. Bei derartigen Schlaganfällen wurde sogar einem von vier Patienten zusätzlich das Leben gerettet. Gerinnsel im Herzen können beim Auftreten von bestimmten Herzrhythmusstörungen, vor allem dem Vorhofflimmern, entstehen. Über den Blutstrom gelangen sie ins Hirn und führen dort zu einem Schlaganfall.

Selbst Patienten mit kleinen, sogenannten lakunären Schlaganfällen hatten noch einen deutlichen Nutzen von einer klar strukturierten Versorgung. Bei lakunären Schlaganfällen sind nur kleinere Seitenäste der Hirnarterien durch ein Gerinnsel verstopft.

Die derzeitige Situation ist aber eher bescheiden: Der Sachverständigenrat der Bundesregierung hat in seinem Gutachten zur Koordination und Qualität im Gesundheitswesen auf Fehl-, Unter- und Überversorgung für den Schlaganfall hingewiesen. Diese Qualitätsdefizite führt der Rat in weiten Teilen auf das Fehlen einer koordinierten Zusammenarbeit zwischen den vielfältigen Leistungserbringern und die sektorale Trennung zurück.

Mittlerweile existieren zwar verschiedene Modelle in Deutschland, die eine integrierte Versorgung etablieren wollen. Doch es gibt genügend Experten, die immer noch in weiten Bereichen der Versorgung große Defizite erkennen. Beispielsweise: Die Deutsche Schlanganfall Hilfe betont in ihren Aufklärungsmaterialien: „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall! Der Zeitdruck nach Symptombeginn ist größer als beim Herzinfarkt, da nur innerhalb der ersten drei (bis höchsten sechs) Stunden realistisch Hirnsubstanz gerettet und damit der Grad der Behinderung eingeschränkt werden kann. Die Outcomeverbesserungen bei der Lyse sind stark zeitabhängig.“ Betroffene erleben es im Krankenhaus aber ganz anders: Da werden sie oft stundenlang warten gelassen. Manchmal erfolgt noch nicht einmal eine eingehende Untersuchung, sondern Patienten werden, weil Symptome ja vielfach flüchtig sind, „nach Blickkontakt“ einfach wieder nach Hause geschickt.

Foto: Schlaganfall Hilfe

Zahlen zum Schlaganfall: Alle 3 Minuten ereignet sich ein neuer Schlaganfall, alle 9 Minuten stirbt ein Betroffener. In Deutschland erleiden ca. 200.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und weltweit die Ursache Nr. 1 für lebenslange Behinderung. 80% aller Schlaganfälle ereignen sich bei den über 60-Jährigen. Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der über 60-jährigen in Deutschland von derzeit 24% auf rund 38% ansteigen. Die jährlichen Schlaganfall-Neuerkrankungen verdoppeln sich von heute ca. 150.000 nahezu auf rund 290.000. Studien belegen, dass bis zum Jahr 2025 sich insgesamt 3.430.000 Schlaganfälle ereignen werden.

WANC 05.10.10, Quelle: Quelle:
Smith EE, Hassan KA, Fang J, Selchen D, Kapral MK, Saposnik G; Registry of the Canadian Stroke Network (RCSN); Stroke Outcome Research Canada (SORCan) Working Group. Do all ischemic stroke subtypes benefit from organized inpatient stroke care? Neurology. 2010 Aug 3;75(5):456-62. Epub 2010 Jun 30; Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe

Wie äußert sich ein Schlaganfall? Was sind typische Symptome?

Was hat der Schlaganfall mit Alkohol zu tun?

Warum bekommen Frauen ab den Wechseljahren häufiger Schlaganfälle?

Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls: ASS oder Marcumar?

Warum ist es so wichtig, dass die Rehabilitation nach Schlaganfall schnell beginnt?

 
Seite versenden  
Seite drucken