Foto: obs/ Bayer Vital
Die vorsorgliche Einnahme von Aspirin soll vor Herzattacken schützen - doch das Mittel hat auch Nebenwirkungen, wie innere Blutungen (Foto: obs/ Bayer Vital)
Aspirin: Weniger präventiver Nutzen

Nutzt Aspirin mehr als das es schadet? Der Einsatz des Mittels zur primären Vorbeugung bei Personen ohne eine ernsthafte Erkrankung verringert die nicht tödlichen Herzattacken zwar um etwa ein Fünftel. Allerdings erhöht der Wirkstoff auch das Risiko innerer Blutungen um etwa ein Drittel. Unterm Strich scheinen sich Vorteile und Risiken gegenseitig aufzuheben. Bei Personen mit Gefäßverschlusskrankheiten überwiegen dagegen die Vorteile die geringen Risiken.

Professor Colin Baigent von der Clinical Trial Service Unit und der Epidemiological Studies Unit (CTSU) an der Universität Oxford stellten fest, dass das Aspirin in den Primärpräventionsstudien das ohnehin geringe Risiko ernsthafter vaskulärer Ereignisse (Schlaganfall, Herzattacken, gefäßbedingte Todesfälle) um 12 Prozent veringerte, hauptsächlich wohl auf Grund der oben genannten geringeren Anzahl nicht tödlicher Herzattacken. Zwischen Schlaganfällen und gefäßbedingten Todesfällen konnte kein bedeutender Unterschied festgestellt werden, das kleine Risiko innerer Blutungen stieg jedoch bei den Aspirin-behandelten Patienten um etwa ein Drittel an.

In den Sekundärpräventionsstudien mit Personen, die bereits einen Schlaganfall oder eine Herzattacke erlitten und ein erhebliches Risiko des erneuten Auftretens hatten, konnte Aspirin das Risiko schwerwiegender gefäßbedingter Ereignisse um etwa ein Fünftel reduzieren. Dieser Vorteil überwog eindeutig jegliche zusätzliche kleine Risiken von Blutungen. In beiden Studienansätzen lagen die anteiligen Verringerungen bei vaskulären Ereignissen für Männer und Frauen gleichauf.

Die Autoren folgern: "Die gegenwärtig verfügbaren Studienergebnisse scheinen allgemeine Richtlinien nicht zu rechtfertigen, die den routinemäßigen Einsatz von Aspirin bei allen gesunden Personen befürworten, die mit einem moderat erhöhten Risiko einer koronaren Herzkranheit leben."

Baigent fügt hinzu: "Die Medikamentensicherheit spielt eine wichtige Rolle, wenn es um Empfehlungen für mehrere Millionen gesunde Menschen geht. Wir haben keine eindeutigen Beweise, dass bei Gesunden der Nutzen langfristiger Aspiringabe die Risiken um einen entsprechenden Betrag überwiegt. Wenn die Wirksamkeit unbestimmt ist, dann sind Berechnungen der Wirtschaftlichkeit bedeutungslos."

Unter dem Strich bedeutet das, dass die Verabreichung von Aspirin zu Präventionszwecken in den meisten Fällen nicht gerechtfertigt ist. Außerdem weisen die Wissenschaftler darauf hin:  „Neben der medikamentösen Behandlung darf man die Wichtigkeit geänderter Lebensführung nicht vergessen, wie das Einstellen des Rauchens, gesundes Essen und regelmäßige körperliche Bewegung."

Für die Studie wurden individuelle Patientendaten von schwerwiegenden gefäßbedingten Ereignissen (Herzattacken, Schlaganfälle oder gefäßbedingte Todesfälle), wie auch von Massivblutungen analysiert. Die Daten entstammten 6 Studien zur Primärprävention, die 95000 Personen mit niedrigem bis mittlerem Risiko, und 16 Studien zur Sekundärprävention, die 17000 Personen mit hohem Risiko umfassten. Die Studien verglichen die langfristige Aspirin-Einnahme mit Kontrollen.

WANC 05.06.09/Quelle: Antithrombotic Trialists' Collaboration. Aspirin in the primary and secondary prevention of vascular disease: collaborative meta-analysis of individual participant data from randomised trials. Lancet 2009; 373: 1849

Aspirin: Kleine Mengen verlängern das Leben

Aspirin: Für Herzprävention nicht unbedenklich

Aspirin: Soll Brustkrebs vorbeugen

 
Seite versenden