Die "Women`s Health Initiative (WHI)" – eine Studie zum Langzeit-Einsatz von Hormonpräparaten in den Wechseljahren – hat viele Frauen verunsichert.
Nach einer mehr als fünfjährigen Hormoneinnahme war das Brustkrebsrisiko der betroffenen Frauen leicht erhöht. Dazu eine Stellungnahme von Professor A.T. Teichmann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Steroide in Kontrazeption und Substitution (SIKUS)" des Berufsverbandes der Frauenärzte:
Die Ergebnisse der Studie.
Untersucht wurde der Einfluss einer kombinierten Behandlung mit den Hormonen konjugierte equine Östrogene und Medroxyprogesteronacetat auf verschiedene Erkrankungen über einen Zeitraum von 5,2 Jahren, wobei die behandelten Frauen bei Studienbeginn im Durchschnitt 63 Jahre alt waren. Die Behandlung mit dieser Hormonkombination hatte folgenden Einfluss auf die Gesundheit der behandelten Frauen:
- Senkung der Knochenbruchrate
- Senkung von Dickdarmkrebserkrankungen
- Leichte Erhöhung von Brustkrebserkrankungen bei Frauen, die sowohl konjugierte equine Östrogene als auch Medroxyprogesteronacetat erhalten hatten. Mit Östrogenen behandelte Frauen hatten kein erhöhtes Risiko; die Studie wurde daher auch nicht abgebrochen, sondern läuft weiter.
- Keine Senkung der Herz-Kreislauferkrankungen
Einschränkungen der Ergebnisse
- Es wurde nur eine Hormonkombination untersucht, nämlich konjugierte equine Östrogene und Medroxyprogesteronacetat. Die Ergebnisse lassen daher lediglich Rückschlüsse auf diese Hormonkombination zu. Eine andere erst kürzlich veröffentliche Studie kam zu dem Ergebnis, dass Frauen, die die "Pille" nehmen, kein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben.
- Das verhältnismäßig hohe Durchschnittsalter der behandelten Frauen zu Studienbeginn lässt erwarten, dass viele Teilnehmerinnen bereits Schädigungen der Blutgefässe hatten. Die erwartete wichtige Schutzwirkung der Hormone, die sich vermutlich nur bei zu Behandlungsbeginn noch nicht vorgeschädigten Gefäßen bemerkbar macht, war somit nicht möglich. In Deutschland beginnt daher eine Hormonbehandlung üblicherweise auch deutlich früher, zum Beginn der Wechseljahre.
Erhöht eine Hormonbehandlung mit Östrogenen/Gestagenen das Brustkrebsrisiko?
Die bisher umfangreichste Untersuchung hat ergeben, dass bei einer Behandlungsdauer bis zu fünf Jahren kein erhöhtes Risiko festzustellen ist. Bei Frauen, die Östrogene über einen längeren Zeitraum angewendet hatten, fand man dagegen einen geringen Anstieg der Brustkrebshäufigkeit, die Sterblichkeitsrate an Brustkrebs war jedoch nicht erhöht. Östrogene lösen keinen Krebs aus, sie können jedoch das Wachstum bereits vorhandener, noch nicht erkannter Tumoren begünstigen.
Welchen Einfluss haben Östrogene auf eine bestehende Brustkrebserkrankung?
Östrogene können nur das Wachstum derjenigen Tumore begünstigen, die hormonempfindlich sind. Diese jedoch deutlich weniger gefährlich, da sie sich seltener in andere Körperregionen ausbreiten. Zudem kann der Tumor durch das beschleunigte Wachstum früher erkannt und entfernt werden. Die Heilungsaussichten von Tumoren, die unter einer Östrogentherapie entstehen, sind daher deutlich besser. Da sich hormonbehandelte Frauen regelmäßig frauenärztlich untersuchen lassen, werden diese Tumore üblicherweise auch früher erkannt, so dass meist eine Entfernung derselben unter Erhalt der Brust möglich ist.
Nutzen der Hormonanwendung.
Eine über mehrere Jahre konsequent durchgeführte Östrogentherapie schützt nachweislich vor Knochenschwund und bewahrt so vor schweren Knochenbrüchen im höheren Lebensalter, die sonst häufig eine Pflegebedürftigkeit zur Folge haben. Darüber hinaus ist diese Therapie ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität, da hormonmangelbedingte Beschwerden wie Hitzewallungen, Hautalterung und Haarausfall erheblich verbessert werden. Auch zur Vorbeugung von Dickdarmkrebserkrankungen, eine der häufigsten Tumorerkrankungen von Frauen in Deutschland überhaupt, können Östrogene vermutlich einen wichtigen Beitrag leisten.
Quelle: WANC/Berufsverband der Frauenärzte e.V 10.02