Frauenärzte
verschreiben weiterhin ungebremst Hormonpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden.
Obwohl Studien vor den Gefahren warnen. Doch viele Ärzte halten die Risiken für
überwertet.
Viele Frauenärzte ignorieren offenbar die
Gesundheitsgefahren von Wechseljahrshormonen. Obwohl große Studien die Risiken
der Präparate betonen, würden die Gynäkologen noch immer rund 34 Millionen
Tagesdosen der umstrittenen Arzneimittel verschreiben,kritisiert der Gesundheitswissenschaftler
Professor Norbert Schmacke von der Universität Bremen in der Zeitschrift VITAL.
„Damit sind noch immer weit mehr als drei Millionen Frauen einem offenen
Feldversuch mit ungewissem Ausgang ausgesetzt", warnt der Mediziner.
Zu den Gefahren der Hormontherapie zählen vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen
wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Dennoch wird die Therapie von mehr als einem
Drittel Ärzte befürwortet, 80 Prozent halten die Risiken für total
überbewertet.
Die Ersatzhormone reduzieren vor allem
Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und
Schlafstörungen. Ein Schutz vor Osteoporose und Darmkrebs sind die Präparate
nur, wenn sie ein Leben lang eingenommen
werden.
Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sehen die
Hormonpräparate kritisch. Sie sollten allenfalls dann eingesetzt werden, wenn
durch die Wechseljahrsbeschwerden die Lebensqualität der Frauen deutlich
reduziert wird. Experten empfehlen zudem, die Dosierung so niedrig wie möglich
zu wählen und die Therapie auf höchstens zwei Jahre zu begrenzen.
Bei bestimmten Erkrankungen ist die Hormontherapie ohnehin
tabu. Dazu zählen laut DGGG neben bestimmten Krebsleiden auch instabiler
Blutdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Gallenblasenleiden und Rauchen. Ohnehin
sollten Frauen immer prüfen, ob nicht sanftere Mittel die bessere Wahl sind. Dazu zählen etwa Präparate
aus der Traubensilberkerze, Johanniskraut oder Salbei. Um richtig wirken zu können, müssen sie allerdings hoch genug
dosiert werden.
WANC 22.03.06