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Was kann Personalisierte Medizin in der Onkologie leisten?

Die Erfahrung zeigt: das ein  Medikament gegen eine bestimmte Krankheit allen Betroffenen gleichermaßen helfen kann, trifft nicht immer zu. Erst die Forschritte in der Medizin und dort im Bereich der Molekularbiologie machen neue Ansätze der Behandlung möglich. Das Verstehen des menschlichen Erbguts, das Verstehen des Zusammenwirkens kleinster Bauteile des Lebens, den Eiweißstoffen und schließlich der Einsatz der Gentechnologie erlauben die Ursache der Krankheit zu erkennen.  Und exakt darauf in der Forschung Medikamente zu entwickeln. So wird heute versucht, Veränderungen bei einer Tumorzelle auf keinster Bauteilebene, den Eiweißen, zu erkennen und genau gegen diese Veränderungen ein Medikament zu entwickeln.

Im Idealfalle helfen neben dem eigentlichen Medikament sogenannte „Biomarker“: innerhalb der Diagnostik zeigen sie dem Arzt, dass eine bestimmte Erkrankung vorliegt. zum anderen können sie zeigen, ja beweisen, dass das entsprechende (dagegen entwickelte) Medikament auch wirkt. Im Idealfalle also kann man heute als Patient darauf hoffen, dass
- die Erkrankung „auf kleinster Bauteil(=Eiweiß)ebene bekannt und erkannt wird,
- es schon ein Medikament gibt, dass auf diese Erkrankung exakt zugeschnitten wurde
- und letztendlich eine „Beweisführung“ der Wirksamkeit mit einem Biomarker vorliegt.
Erst dann ist der Traum der „Personalisierten Medizin“ Wirklichkeit geworden.

Ziel: Effektivere und effizientere Versorgung
Dahinter verbirgt sich natürlich auch ein Kostenfaktor: Die Personalisierte Medizin gilt als ein Schlüssel für eine effektivere und effizientere Versorgung mit Arzneimitteln. Davon sollen sowohl Patienten, Ärzte als auch Kostenträger profitieren: Für die Patienten erhöhen sich die Aussichten auf den Erfolg einer Therapie, während das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen sinkt. Für Ärzte erhöht ein individualisierter Therapieansatz die Behandlungssicherheit, weil sich Indikationsstellung und Therapieauswahl optimieren lassen. Und weil unerwünschte Nebenwirkungen oder ein Nicht-Ansprechen auf das Arzneimittel vermieden werden, sollte sich – ganz im Sinne der Krankenkassen – auch die Kosteneffizienz steigern.

Doch die sind noch zurück haltend und fürchten auch aufgrund der aufwendigen Diagnostik eher Mehrkosten. Mahnt Brigitte Käser, Geschäftsführerin für den Bereich Gesundheitsmanagement ambulant bei der AOK Niedersachsen: "Deshalb - und auch zum Schutz der Patienten vor Fehlentscheidungen - sollten personalisierte Medikamente nur dann erstattet werden dürfen, wenn sowohl der zugehörige Vortest validiert als auch der Zusatznutzen des personalisierten Einsatzes nachgewiesen ist. Nur Evidenz-basiert bietet die personalisierte Medizin Chancen für bessere Therapien und eine bessere Ressourcen-Allokation im Gesundheitswesen."

Hoffnung für Krebspatienten
Viele künftige "Tandems" werden der Onkologie zu Gute kommen, hofft Prof. Dr. Dr. Peter M. Schlag, Direktor des Charité Comprehensive Cancer Centers (CCCC): "Ich bin überzeugt, dass künftig viele weitere personalisierte Krebsmedikamente zur zielgerichteten Therapie nach vorheriger Testung des Patienten zur Verfügung stehen werden. Diese werden die Tumorbekämpfung stetig verbessern." Für die Auswahl der Medikamente werden biomathematische Modelle eingesetzt, die das komplexe Zusammenspiel der in einem Tumor veränderten Moleküle und deren Nebenwirkungen beim individuellen Patienten abschätzen können.

Eine individuelle (personalisierte) Krebstherapie erfordere nicht nur eine Therapiewahl nach Art und Stadium der Krebserkrankung, betont Prof. Dr. Günther Gastl, Universitätsklinik für Innere Medizin V - Hämatologie und Onkologie - Medizinische Universität Innsbruck, sondern zusätzlich müssten individuelle Merkmale (Biomarkerprofil) eines bösartigen Tumors in der Therapieplanung berücksichtigt werden. "Die Erkennung individueller biologischer Krebsmerkmale (Biomarker) eines Tumors ermöglicht den gezielten Einsatz hochwirksamer und molekular zielsicherer Krebsmedikamente. Eine personalisierte Krebstherapie verlangt auch eine Anpassung an das Alter, das Körpergewicht, die Nieren- und Leberfunktion, sowie an eventuell vorhandene Begleiterkrankungen und die soziale Situation des Patienten."

Geringere Nebenwirkungen - bessere Überlebenschancen
Die Entwicklung von molekular zielsicheren Krebstherapeutika eröffne vielen Krebspatienten die Chance auf eine besser wirksame Behandlung mit geringeren Nebenwirkungen im Vergleich zu einer klassischen Chemotherapie und besseren Überlebenschancen. Die OeGHO - Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie schreibt auf ihrer Website: "Große internationale Studien bestätigen den Erfolg personalisierter Therapiekonzepte in der Krebsmedizin. So konnten bei Patienten mit Lymphdrüsenkrebs, Myelom, Brust-, Prostata- oder Darmkrebs in den letzten Jahren mit maßgeschneiderten, personalisierten Krebstherapien das therapeutische Ansprechen und das Überleben von Tumorpatienten signifikant gesteigert werden. Diese Erfolge haben inzwischen zu einer breiten Anwendung dieser neuen Krebstherapeutika geführt."

Personalisierte Medizin ist bereits Realität
Zielgerichtete Medikamente werden bereits heute in der Krebsbehandlung eingesetzt. Derzeit sind 20 Wirkstoffe der Personalisierten Medizin in Deutschland zugelassen. Beispielsweise gegen Brustkrebs: Bei etwa 20 Prozent der Patientinnen ist die Anzahl der HER2-Rezeptoren, speziellen Eiweißen auf der Oberfläche der Brustkrebszellen, massiv erhöht. Dadurch teilen sich die Zellen vermehrt und unkontrolliert. Die Erkrankung verläuft sehr aggressiv. Anhand eines Gewebetests kann der krankheitsspezifische Biomarker - das HER2-Protein - nachgewiesen werden und die Patientinnen können identifiziert werden, die von der Behandlung mit einem eigens dafür entwickelten Medikament profitieren. Dieses Medikament - ein HER2-Antikörper - blockiert das HER2-Protein. Dadurch werden die Wachstumssignale der Krebszelle nicht mehr übertragen und so das Zellwachstum gestoppt. Zusätzlich aktiviert der HER2-Antikörper die körpereigene Immunabwehr. Dadurch erkennt, bekämpft und zerstört das Immunsystem die Tumorzelle.

Personalisierte Medizin in der Onkologie
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Quellen:

OeGHO - Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie
"Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2011- Biopharmazeutika: Wirtschaftsdaten und Nutzen der Personalisierten Medizin" , The Boston Consulting Group
Ärzte Zeitung
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
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