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Ist Krebs eine Krankheit des Alters?

Experten schätzen, dass die Zahl der Krebserkrankungen bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent zunehmen wird. Diese Annahme stützt sich auf die in den nächsten 30 Jahren zu erwartende Altersverschiebung in der Bevölkerung: Zur Zeit sind etwa 15 Prozent der Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt. Dieser Anteil wird im Jahr 2030 rund 20 bis 30 Prozent betragen. Statistisch gesehen erkranken von 100.000 Menschen unter 65 Jahren lediglich 200 an Krebs. Bei den über 65-Jährigen ist die Erkrankungshäufigkeit zehnfach höher. Bei den häufigsten Krebserkrankungen - Tumoren der Prostata, des Darms, der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, des Magens und der Blase - beträgt der Anteil der über 65-Jährigen 60 bis 80 Prozent. Krebs ist also im Wesentlichen eine "Alterskrankheit".

Warum das Alter einen so großen Einfluß auf die Entstehung von Krebs hat, versuchen Wissenschaftler aus der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie vom Zentrum für Innere Medizin und Dermatologie der Medizinischen Hochschule Hannoverso zu erklären: Mit jeder Teilung altern die meisten Körperzellen. Sie verlieren irgendwann ihre

Wachstumsfähigkeit und gehen schließlich zu Grunde. Nicht zuletzt auf diese Weise wird die Lebenszeit des Menschen reguliert. Die Verantwortung liegt bei den Trägern der Erbinformation, den Chromosomen. Diese werden an ihren Enden durch Telomere geschützt. Mit zunehmender Häufigkeit der Zellteilungen verkürzen sich die Telomere jedoch zusehends. Die Chromosomen werden dadurch instabil, das Zellwachstum hört irgendwann auf.

Instabilität der Chromosomen: Initialzündung für Tumorentwicklung
Die verkürzten Telomere können eine Ursache für die Entstehung von Krebs sein. In den meisten Körperzellen führen die Telomere sozusagen Buch, wie viele Vermehrungsrunden eine Zelle durchläuft. Nach 40 bis 60 Teilungen ist bei den meisten Zellen Schluss. Der Grund: Mit jeder Runde verkürzen sich die Telomere um ein kleines Stück. Sind sie auf eine kritische Länge geschrumpft, hört das Zellwachstum auf. Bei extrem kurzen Telomeren endet der Vorgang für die Zelle oftmals tödlich. Mit diesem als Zellalterung bezeichneten Prozess geht die natürliche Regulierung der Lebenszeit einher: Je älter die Zellen werden, desto älter wird auch der Mensch. Die Alterung der Zellen hat auch eine Instabilität der Chromosomen zur Folge: Die DNA-Träger zerbrechen oder verschmelzen miteinander. Das dadurch entstehende genetische Chaos könnte die Initialzündung für Tumorentwicklung sein.

Tumorbehandlung im Alter zu risikoreich?
Dennoch scheinen ältere Patienten bei der Behandlung oft benachteiligt zu werden. Sowohl bei Ärzten als auch auf Patientenseite bestehe das Vorurteil, eine Tumorbehandlung im Alter sei zu risikoreich und wenig effektiv, wundert sich Dr. med. Ulrich Wedding, Jena. Viele Ärzte seien in der Tumortherapie älterer Menschen zurückhaltend, weil sie vermehrt auftretende Nebenwirkungen und Komplikationen fürchten.

Dieses Vorurteil ist jedoch unbegründet, denn nicht nur das kalendarische Alter sollte zur Basis einer Therapieentscheidung gemacht werden, sondern der tatsächliche Zustand des Patienten, also das biologische Alter. „Als Basis hierfür eignet sich ein umfassendes geriatrisch-onkologisches Assessment, das in Deutschland leider nur in wenigen onkologischen Zentren durchgeführt wird“, betont Dr. med. Arnd Hönig, Würzburg.

Defizite in der Tumorbehandlung älterer Patienten
Offensichtlich bestehen mehrer Defizite bei der Diagnose und Therapie älterer onkologischer Patienten. So wird bei älteren Krebspatienten die Diagnose seltener im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen gestellt als bei jüngeren Patienten. Auch eine eindeutige Stadienzuordnung erfolgt seltener, und es werden weniger Patienten leitlinienkonform therapiert. Aufgrund der demografischen Entwicklung könnte sich diese Situation noch verschärfen.

Erhöhte Überlebenschancen bei Krebs
Dabei haben sich die Überlebenschancen bei Krebs in den letzten beiden Jahrzehnten erhöht. Dazu beigetragen haben auch innovative Medikamente, die eine wirksame und meist auch verträgliche Behandlung ermöglichen. Im Rahmen entsprechender Behandlungsstrategien profitiert davon auch die wachsende Gruppe älterer Patienten. Experten betonen, dass es im klinischen Alltag auf eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hämatologen/Onkologen, Geriatern, Palliativmedizinern sowie Pflegern und Therapeuten ankomme, um diese Patienten optimal zu versorgen. Zusätzlich müssten Forschung und Fortbildung in der„Geriatrischen Onkologie“ intensiviert werden.

Unterversorgung älterer Krebspatienten
„Unsere Gesellschaft wird immer älter. Das ist eine große Herausfor­derung nicht nur für die Medizin“, unterstreicht Prof. Dr. med. Andreas Hochhaus, Direktor der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie der Klinik für Innere Medizin II mit Blick auf mögliche Versorgungsengpässe im Gesundheitsbereich. Die Unterversorgung älterer Krebspatienten sei jedoch nicht nur eine düstere Zukunftsperspektive, sondern finde bereits heute statt, beschwert sich Dr. med. Ulrich Wedding, Chefarzt der Abteilung für Palliativmedizin. Eine Ursache für die therapeutische Zurückhaltung bei älteren Patienten sei die noch nicht ausreichende Datenbasis. Patienten über 65 Jahren wurden aus vielen Studien ausgeschlossen. „Mittlerweile wissen wir aber aus Register- und Beobachtungsstudien und Subgruppenanalysen, dass ältere Patienten ebenso von einer optimalen Tumorbehandlung profitieren können wie jüngere“, so Wedding. Allerdings gelte diese Aussage hauptsächlich für „fitte“ Patienten.

Alter ist nicht gleich Alter: das biologische Alter
Grundlage der Therapieentscheidung sollte nicht das tatsächliche Alter, sondern der Allgemeinzustand, also das biologische Alter, sein. Ob eine Therapie vertragen wird und damit effektiv eingesetzt werden kann, hänge z. B. vom Funktionsstatus der Organe des Patienten – insbesondere der Leber und der Nieren – ab, ebenso wichtig sind aber auch der „Kopf“ sowie das soziale Umfeld des Patienten. „In der Beurteilung der Therapiefähigkeit des Patienten arbeiten wir Hand in Hand. Es geht darum, den individuellen Zustand des Patienten zu ermitteln, eine eventuell notwendige internistische Versorgung einzuleiten oder ggf. eine geriatrische Komplexbehandlung zur Vorbereitung auf weitere Therapieschritte“, so Oberarzt Dr. med. Ekkehard Eigendorff von der Onkologischen Tagesklinik.

Quellen:

- dkfz – Deutsches Krebsforschungszentrum

- Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH

- Abteilung für Gastroententerologie und Hepatologie vom Zentrum für Innere Medizin und Dermatologie der Medizinischen Hochschule Hannover


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