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Aktuell > 2010
Foto: PhotoDisc
Entzündungen als Auslöser vieler (multiple) harter (sklerotisch) Narben an den Nerven, die zu Sehstörungen, Lähmungen der Arme und Beine, Koordinations- und Sprachstörungen, Konzentrationsverlust, Müdigkeit und Schwindel führen (Foto: PhotoDisc)
Multiple Sklerose: Entzündungen im Gehirn stoppen

Bei Multipler Sklerose (MS) entstehen zahlreiche Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark. Diese führen zu Lähmungen und anderen Erkrankungen des Nervensystems. Daran beteiligt ist ein Hormon (Angiotensin), das eigentlich den Blutdruck reguliert. Aber eben auch Entzündungen im Gehirn fördert. Wissenschaftler haben nun heraus gefunden, dass ein blutdrucksenkendes Mittel, das Angiotensin blockiert, MS bessern könnte.

Angiotensin II reguliert den Blutdruck. Medikamente, die Angiotensin-Rezeptoren blockieren (AT1R-Blocker), werden deshalb verschrieben, um einen erhöhten Blutdruck zu senken. Inzwischen hat man solche Rezeptoren aber auch auf zahlreichen Organen und Zellen entdeckt, die nichts mit der Blutdruckregulierung zu tun haben, zum Beispiel auf den T-Zellen des Immunsystems. Das sind Abwehrzellen im Blut, die an Autoimmunreaktionen und chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wie z.B. MS, beteiligt sind. MS ist gekennzeichnet durch zahlreiche Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark, die zu Lähmungen und anderen neurologischen Symptomen führen.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Michael Platten, Leitender Oberarzt der Abteilung Neuroonkologie am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter der Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe „Experimentelle Neuroimmunologie“ am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, haben im Tiermodell an Mäusen zeigen können, dass Angiotensin II die Entzündungen im Gehirn fördert. Wurden die Angiotensin-Rezeptoren, also die Stellen an denen Angiotensin an die Zellen andockt und über die es seine Wirkung entfaltet, mit dem oral verabreichten Blutdruckmittel Candesartan blockiert, ließ die Entzündungsreaktion nach und bei den erkrankten Mäusen bildeten sich Lähmungserscheinungen zurück.

Die Forscher wiesen nach, dass Angiotensin seine Information an die Zelle über einen Anstieg des Botenstoffes Transforming-Growth-Factor beta (TGF-beta) weitergibt. TGF-beta kann ganz entgegengesetzte Wirkungen haben: einerseits reguliert und lindert es Entzündungsreaktionen, in anderen Situationen dagegen ruft es Entzündungen hervor und fördert sie. Welche Funktion der Faktor hat, hängt vom umliegenden Gewebe und vom Zusammenwirken mit anderen Botenstoffen ab.

Auf den ganzen Körper bezogen scheint TGF-beta den Organismus vor Entzündungen und Autoimmunerkrankungen zu schützen. Paradoxerweise führt im Gehirn jedoch die Blockade der TGF-beta-Produktion zum Abklingen entzündlicher Reaktionen und damit zur Besserung der Symptome. „AT1R-Blocker verhindern im Gehirn nur die durch Angiotensin ausgelösten TGF-beta-Spitzenkonzentrationen, die für die Entzündungsreaktion verantwortlich sind. Die TGF-beta-Basisspiegel sind davon unbeeinflusst, so dass offensichtlich auch die Schutzfunktion für den Rest des Körpers erhalten bleibt“, erklärt Platten. 
 
WANC 26.07.10, Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg, Helmholtz-Hochschulgruppe Experimentelle Neuroimmunologie

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