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Aktuell > 2009

Die Zahl von Patienten, die wegen akuter Atemwegserkrankungen zum Arzt gehen - ein Indikator für die Infektionssituation mit Schweingrippe - sinkt
Schweinegrippe: Tendwende?

Die Aktivität des H1N1-Virus nimmt in Deutschland kontinuierlich ab. Wie das Robert Koch Institut (RKI) feststellt, verringert sich die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen bereits seit zwei Wochen. Diese Zahl gilt als Grippe-Indikator in Deutschland. Auch in anderen Ländern der Europäischen Union (EU) verlangsamt sich die Influenza-Aktivität. Ist damit die Gefahr gebannt?

Dass im Herbst dieses Jahres ein ungewöhnlich starker Anstieg der Grippe-Aktivität bis zum Ende der 46. Kalenderwoche zu registrieren war, führen Experten auf die weltweit grassierende Schweinegrippe zurück. Denn jede Grippeinfektion, die in den vergangenen Wochen statt fand, war – wie das RKI betonte – eine Ansteckung mit der Schweinegrippe.

Jetzt gehen die Zahlen der Neuinfektionen anscheinend zurück. Das RKI verzeichnet beispielsweise in Bayern, wo die zweite Welle begann, eine sinkende Zahl von Patienten, die wegen akuter Atemwegserkrankungen zum Arzt gehen. Entspannung ist auch im Norden der Republik angesagt. Und in den meisten anderen Bundesländern gibt es nur noch ganz geringe Steigerungen. „Das ist ein zarter Trend", sagte die Sprecherin des RKI, Susanne Glasmacher, dem "Spiegel".

Ob damit die große Infektionswelle schon überstanden ist? Ganz sicher scheinen sich die Experten da nicht zu sein. „Wir wissen nur noch nicht, ob es das wirklich schon war", fragte sich Chefarzt Thorsten Wygold ebenfalls im "Spiegel".

Grip.de, das auf seinen Internetseiten die Grippe-Aktivität nachzeichnet, weist derzeit zwar noch eine stark erhöhte Aktivität aus. Doch die Fieberkurve fällt merklich ab. Das Internetportal kommt zu dem Schluß: Der zügige Abfall der Krankheitsbelastung - gemessen am Rückgang typischer Grippe-Symptome - ist auf die gesundheitliche Harmlosigkeit der meisten Schweinegrippen-Fälle sowie den  vergleichsweise warmen Herbst zurückzuführen. Die vor kurzem angelaufenen Impfprogramme werden erst in Wochen bis Monaten vorbeugende Wirkungen zeigen können. Für den jetzt gemessenen Rückgang der Grippe-Aktivität hat die Impfung keinerlei Bedeutung. Es ist zu erwarten, dass sich die Grippe-Aktivität in den nächsten Wochen und Monaten nicht vollständig normalisiert, weil etwa ab Ende Januar 2010 die Hauptphase der jährlichen Grippe (saisonale Influenza) beginnt.

Befinden wir uns also in der Ruhe nach oder schon wieder vor dem Sturm? Die Gesundheitsminister der Länder scheinen jedenfalls von der Trendwende überzeugt. Nach Schätzungen des Bundesinstituts für Sera und Impfstoffe sind hierzulande zwischen 2,5 bis 4,8 Millionen Dosen von Pandemrix gespritzt worden. Doch die Landesgesundheitsminister wollen nach Informationen des „Spiegel“ beraten, wie dringend sie der gesunden Bevölkerung die Impfung noch empfehlen wollen.

Mittlerweile macht die Auslieferung des Impfstoffs weiterhin große Probleme. Der Hersteller musste erneut Verzögerungen eingestehen. Die Versprechungen wiederholen sich: Der Rückstand soll bis zum Jahresende aufgeholt werden. Ob er dann aber noch gebraucht wird?

Anscheinend fürchten die Länder mittlerweile nämlich, viele der 50 Millionen Impfdosen gar nicht los zu bekommen. Der Hersteller Glaxo-SmithKline soll befragt werden, ob wirklich alle Impfstoffe auch abgenommen werden müssen. Interessenten für die nichtgebrauchten Dosen gibt es wohl bereits – so soll beispielsweise die Ukraine größtes Interesse bekunden.

WANC 30.11.09/ Quelle: FluSearch Index, Robert Koch-Institut, Spiegel

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