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Aktuell > 2007
Medikamente
Medikamente gegen Bluthochdruck: Bestimmte Wirkstoffklassen erhöhen das Risiko einer Diabetes-Erkrankung
Medikamente gegen Bluthochdruck fördern Diabetes

Menschen mit Bluthochdruck erkranken häufiger als andere an einem Diabetes. Bisher führte man dies auf die beiden Diabetesrisikofaktoren Übergewicht und Fettleibigkeit zurück, die bei Hochdruckkranken verbreitet sind. Doch neuere Studien zeigen, dass auch einige Medikamente gegen den Hochdruckpatienten zuckerkrank machen können.

Im Verdacht stehen laut Professor Rainer Düsing von der Universität Bonn ältere Medikamente aus der Gruppe der Betablocker und der Diuretika. Betablocker senken, etwas vereinfacht ausgedrückt, den Blutdruck, indem sie den Herzschlag verlangsamen und abschwächen. Diuretika fördern die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren. Beide Medikamente haben darüber hinaus Auswirkungen auf Muskeldurchblutung oder sympathisches Nervensystem, was eine "diabetesauslösende" Nebenwirkung erklären könnte.

Die "Studienlage" ist laut Düsing eindeutig: Gegenüber Scheinmedikamenten (Placebos), aber auch im direkten Vergleich mit neueren Medikamente erkrankten Patienten häufiger an Diabetes, wenn sie mit Betablockern oder Diuretika behandelt werden. Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder der Angiotensin-Antagonisten haben nach Auskunft des Experten günstige Effekte auf den Blutzucker und würden helfen, einen Diabetes zu vermeiden.

Auch Kalziumantagonisten hätten eine gewisse vorbeugende Wirkung. Alle diese Medikamente sind jedoch teurer als Betablocker und Diuretika. Für Krankenkassen und Ärzte besteht deshalb ein Anreiz zur Verordnung der älteren Medikamente.

Für den einzelnen Patienten ist die Gefahr aufgrund dieser Hochdruckmittel an einem Typ-2-Diabetes mellitus zu erkranken, zunächst gering. Das absolute Risiko liegt über vier Jahre gesehen im Bereich weniger Prozentpunkte.

Auf die gesamte Bevölkerung bezogen sieht dies laut Düsing jedoch anders aus: Wenn alle 20 Millionen Hochdruckpatienten in Deutschland statt mit einem unbedenklichen ACE-Hemmer mit einem kostengünstigen Diuretikum behandelt würden, würde dies nach einer Berechnung Düsings "ein Mehr von knapp 700.000 Diabetikern in Deutschland" bedeuten. Da der Diabetes nach vielen Jahren zu teuren Folgekrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Augen- und Nierenleiden führt, ist es nach Ansicht von Düsing kurzsichtig, bei den Blutdruckmedikamenten zu sparen.

WANC 20.04.07
Quelle: Rainer Düsing Neuentstehung eines Diabetes mellitus unter antihypertensiver Therapie DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (13): S. 689-695

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