Menschen
mit Bluthochdruck erkranken häufiger als andere an einem
Diabetes. Bisher führte man dies auf die beiden
Diabetesrisikofaktoren Übergewicht und Fettleibigkeit zurück,
die bei Hochdruckkranken verbreitet sind. Doch neuere Studien zeigen,
dass auch einige Medikamente gegen den Hochdruckpatienten zuckerkrank
machen können.
Im
Verdacht stehen laut Professor Rainer Düsing von der Universität
Bonn ältere Medikamente aus der Gruppe der Betablocker und der
Diuretika. Betablocker senken, etwas vereinfacht ausgedrückt,
den Blutdruck, indem sie den Herzschlag verlangsamen und abschwächen.
Diuretika fördern die Ausscheidung von Flüssigkeit über
die Nieren. Beide Medikamente haben darüber hinaus Auswirkungen
auf Muskeldurchblutung oder sympathisches Nervensystem, was eine
"diabetesauslösende" Nebenwirkung erklären
könnte.
Die
"Studienlage" ist laut Düsing eindeutig: Gegenüber
Scheinmedikamenten (Placebos), aber auch im direkten Vergleich mit
neueren Medikamente erkrankten Patienten häufiger an Diabetes,
wenn sie mit Betablockern oder Diuretika behandelt werden.
Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder der
Angiotensin-Antagonisten haben nach Auskunft des Experten günstige
Effekte auf den Blutzucker und würden helfen, einen Diabetes zu
vermeiden.
Auch
Kalziumantagonisten hätten eine gewisse vorbeugende Wirkung.
Alle diese Medikamente sind jedoch teurer als Betablocker und
Diuretika. Für Krankenkassen und Ärzte besteht deshalb ein
Anreiz zur Verordnung der älteren Medikamente.
Für
den einzelnen Patienten ist die Gefahr aufgrund dieser
Hochdruckmittel an einem Typ-2-Diabetes mellitus zu erkranken,
zunächst gering. Das absolute Risiko liegt über vier Jahre
gesehen im Bereich weniger Prozentpunkte.
Auf
die gesamte Bevölkerung bezogen sieht dies laut Düsing
jedoch anders aus: Wenn alle 20 Millionen Hochdruckpatienten in
Deutschland statt mit einem unbedenklichen ACE-Hemmer mit einem
kostengünstigen Diuretikum behandelt würden, würde
dies nach einer Berechnung Düsings "ein Mehr von knapp
700.000 Diabetikern in Deutschland" bedeuten. Da der Diabetes
nach vielen Jahren zu teuren Folgekrankheiten wie Herzinfarkt,
Schlaganfall, Augen- und Nierenleiden führt, ist es nach Ansicht
von Düsing kurzsichtig, bei den Blutdruckmedikamenten zu sparen.
WANC
20.04.07
Quelle:
Rainer Düsing Neuentstehung eines Diabetes mellitus unter
antihypertensiver Therapie DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift
2007; 132 (13): S. 689-695