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Sport hilft dem Herz, auch wenn es krank ist

Herzkrank zu sein und Sport zu treiben, sind kein Gegensatz. Im Gegenteil, die richtige körperliche Aktivität stärkt das Herz, kann Krankheitsverlauf und Schwere der Krankheit verbessern. Doch Vorsicht: Nicht jede Sportart darf bei jeder Herzerkrankung ausgeübt werden.

Regelmäßige Bewegung stärkt das Herz, senkt Blutdruck und Cholesterinspiegel, baut Stress und überflüssige Pfunde ab. Patienten mit Infarkt, Herzfehler oder Herzschwäche haben aber oft Angst, sich körperlich zu betätigen. Sie setzen lieber auf Schonung und ein ruhiges Verhalten. Das muss aber nicht richtig sein, weiß  Dr. Athanasios Gkanatsas von der Kardiologisch-Angiologischen Praxis am Klinikum Links der Weser. Dabei könne Sport den Erkrankten durchaus helfen.

Ausdauertraining ist bei Herz-Kreislauf-Problemen eine kluge Wahl, meint der Kardiologe. Seiner Meinung nach stärken „Sportarten wie Joggen, Skaten oder Radfahren" das Herz, wenn Spitzenbelastungen vermieden werden. Bei diesen Sportarten sei die Belastung gut zu überwachen, bei Atemnot oder Engegefühle in der Brust könne man sofort damit stoppen. Dagegen empfehle er Krafttraining oder Ballsportarten, wie Squash oder Tennis, nicht. Das Training sollte drei- bis fünfmal die Woche, jeweils 30 bis 45 Minuten dauern.

Beachtet werden müsse die Pulsfrequenz, die aber von Alter und Fitness abhänge. So sollte der Trainingspuls den Wert von 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz nicht übersteigen. Wer sich während des Trainings noch problemlos unterhalten könne, liege im richtigen Bereich.

Warnt Gkanatsas: Herzpatienten sollten nur in Rücksprache mit ihrem Arzt ihre Sportart festlegen. Und vor Trainingsaufnahme sollt der Arzt den Patienten genau untersuchen. Dabei müsse auch die Einnahme von Medikamenten berücksichtigt werden. So müssen bei blutverdünnenden Mitteln der optimale Trainingspuls anders berechnet werden, als ohne Medikamente.

Infarktpatienten dürfen bis zu sechs Wochen nach einem Herzinfarkt keine sportlichen Aktivitäten ausüben. Erlaubt sei nur ein Rehabilitationsprogramm unter kompetenter Aufsicht. Begonnen werden könne danach mit Übungen zum Muskelabbau wie beispielsweise leichtem Hanteltraining oder Liegestütze. Höchstens sollte zwei- bis dreimal pro Woche trainiert und zwischen den einzelnen Tagen ein Tag Ruhe eingelegt werden.
 
Wandertouren im Gebirge sind für Patienten mit Herzschwäche mit Vorsicht zu genießen. Denn der geringere Sauerstoffgehalt fordere vom Herz eine erhöhte Pumpleistung. Und das berge Gefahren. Diese droht allerdings nicht bei einer stabilen koronaren Herzkrankheit. Wanderungen in einer Höhe von bis zu 1.500 Metern sei meist unbedenklich. Hilfreich könnte eine Eingewöhungsphase von bis drei Tagen sein, um das Herz an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen. 



Berliner Ärzteblatt 13.07.2011/ Quelle: Kardiologisch-Angiologische Praxis, Bremer Klinikum Links der Weser
 
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