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Joggen in Maßen kann gesund sein – aber ein Zuviel schadet dem Herzen (Foto: TK)
Joggen in Maßen kann gesund sein – aber ein Zuviel schadet dem Herzen (Foto: TK)
Extremer Sport schadet dem Herzen

Die Botschaft war bisher einfach: Sport ist, macht und hält gesund. Wer sich bewegt, wird seltener krank. Schade. So einfach ist es eben nicht. Denn immer mehr Untersuchungen zeigen, dass zu viel eben auch zu viel sein kann. Eine neue Studie belegt jetzt, dass extremer Sport und Extremsport dem Herzen Schaden zufügen, weil dadurch die Koronararterien (das sind die sogenannten Herzkrangefäße, die das Herz kranzförmig umfassen) frühzeitiger verkalken.

Kardiologen und Sportmediziner haben bei 3.175 Frauen und Männer – zu Studienbeginn im Alter zwischen 18 und 30 Jahren – die körperlichen Aktivitäten erfasst. Die Gesundheit der Personen wurde über einen Zeitraum von 25 Jahren in acht Nachuntersuchungen fest gestellt. Außerdem wurden die Teilnehmer in drei Gruppen ihres sportlichen Engagements eingeteilt: 1. weniger als 150 Minuten/Woche, 2. etwa 150 Minuten/Woche, 3. dreimal oder mehr wöchentlich über 450 Minuten. In die Gruppe 1 wurden 1.813 (57,1%), in die 2. Gruppe 1.094 (34,5%) und in die 3. Gruppe 268 (8,4%) eingeteilt.

Deepika Laddu, Professor für physikalische Therapie, der die Studie durchgeführt hat, berichtet seine Erwartungen: „Wir sind davon ausgegangen, dass intensivere sportliche Betätigung zu einer geringeren Verkalkung der Koronararterien führt.“ So kann man sich irren.

Grundsätzlich stellten die Wissenschaftler fest, dass die körperliche Aktivität mit dem Alter abnahm. Nach Abschluß der Untersuchung war in allen drei Gruppen der Anteil der Patienten mit Bluthochdruck bzw. Diabeetes gestiegen, lag aber in der Gruppe 1 – also der am wenigsten Sporttreibenden – höher als in den beiden anderen Gruppen. Zwischen den Gruppen 2 und 3 war der Unterschied nur gering.

Was die Verkalkung der Herzkranzgefäße betraf, lag das Erkrankungsrisiko der Gruppe 2 im Vergleich zur Gruppe 1 um durchschnittlich 22% höher – mit einer Streuung zwischen 4% und 43%). Bei den Extremsporttreibenden, also in der Gruppe 3, war das Risiko sogar um 74% - zwischen 35% und 129% - erhöht. Die Hautfarbe spielt im übrigen eine Rolle: Weiße Männer und Frauen sind gefährdeter als farbige.

Warum extremer Sport und Extremsport dem Herz solchen Schaden zufügen, erklären Mediziner zum einen damit, dass die Belastung die Arterien unter Stress setzen. Gefunden wurden in sportlich sehr agilen Menschen höhere Werte von Troponin und Gadolinium. Die Muskelzellen des Herzens setzen Troponin bei Schädigungen (z.B. Herzinfarkt) frei. Ein hoher Troponinspiegel lässt also auf einen Schaden des Herzmuskels schließen. Gadolinium deutet auf Narbengewebe im Herzmuskel hin.

Dass sehr intensive sportliche Betätigung dem Herzen nicht Gutes sondern Schlechtes tut, vermuten Kardiologen schon länger.  Die Wissenschaftler der Universität von Illinois, Chikago, weisen auf andere Studien hin, die ähnliche Ergebnisse gebracht haben. So hatten schnell laufende Jogger, die mehrmals pro Woche trainierten, ein höheres Sterberisiko als Nichtjogger. Gesunde Marathonläufer, Alter 50 bis 72 Jahre, wiesen eine schlimmere Herzarterien-Verkalkung auf als eher unsportliche Menschen.

Was lernt man daraus? „Niemand sollte aufhören, Sport zu treiben,“ sagt Laddu. Es komme auf das Maß an. Zu intensives Training und wiederkehren Überbeanspruchung des Herzens sollte man aber den Ergebnissen der Studie zur Folge vermeiden.

19.10.2017 cs/Quelle: Mayo Clin Proc

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