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Zu intensives und langes Training kann mehr schaden als nutzen (Foto: TK)
Zu intensives und langes Training kann mehr schaden als nutzen (Foto: TK)
Zu intensives Training kann dem Herz schaden

Zu viel kann auch zu viel sein und mehr ist nicht immer besser - diese guten Sprüche kennen wir von unseren Großeltern. Doch nun belegen zwei Studien aus Deutschland und Schweden, dass in diesen Sprichworten vielleicht doch mehr Wahrheit steckt, als wir alle vermutet haben. Denn beide Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass ein Übermaß an körperlichem Training genau das Gegenteil von dem bewirkt, wozu es eigentlich angestrengt wird: Es macht nicht gesund, es macht eher krank.

In der deutschen Studie wurde bei über 1000 Menschen, meist im Alter über 60 Jahre, über den Zeitraum von mehr als 10 Jahren die Häufigkeit und Intensität ihres Trainings überwacht. Bei den Personen, die unter einer stabilen Herz-Kreislauf-Erkrankung litten, wurde untersucht, welche Auswirkungen die Teilnahme an eine kardiologischen Rehabilitationsprogramm sowie die sportliche Betätigung auf ihrer Überlebenschancen sowie weitere Vorfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten.

Die von Ärzten vorgeschlagenen Trainingsumfänge für Herzpatienten besagen, dass diese Personengruppe mindestens fünf mal in der Woche bis zu einer Stunde ein aerobes Training mit moderater Intensität ausführen sollen. Von der beobachteten Patientengruppe waren 40% zwischen zwei- und viermal in der Woche aktiv, 30% trainierten mehr und 30% weniger. Etwa 1% gaben zu, sich nur selten oder gar nicht sportlich zu betätigen.

Zuerst stellten die Ärzte fest, dass mit zunehmender Fortdauer des Trainings die Frequenz abflaute, die Patienten also die Lust verloren. Nur die Gruppe, die zwischen zwei- bis viermal wöchentlich Sport trieben, blieb bei ihren Bemühung stabil.

Dann zeigten die Daten, dass diejenigen, die sich am wenigsten bewegten im Vergleich zu denen, die regelmäßig trainierten etwa doppelt so häufig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. Außerdem hatten ein vierfach erhöhtes Risiko, an einem Herz-Kreislauf-Vorfall zu versterben. Überraschenderweise schützte mehr - also angestrengteres und häufigeres - Training nicht mehr. Diejenigen die härter und öfter Sport trieben, hatten letztlich ein fast genauso hohes Risiko, wie die, die nur wenig oder gar nichts taten: Ihr Risiko an einer Herz-Kreislauf-Attacke zu versterben war doppelt so hoch.

In der schwedischen Untersuchung wurden bei 44.000 Männern im Alter zwischen 45 und 79 Jahren die körperliche Bewegung in ihrer Freizeit beobachtet: und zwar im Alter von 15, 30, 50 und nach dem 60. Lebensjahr jedes Jahr. Dabei stellte sich heraus, dass die Männer, die intensiv mehr als fünf Stunden in der Woche trainierten, ein um 19% erhöhtes Risiko trugen, mit 60 Jahren eine Arrhythmie (unregelmäßiger Herzschlag) oder Vorhofflimmern (Störung des Herzrhythmus) zu entwickeln. Beides sind Risikofaktoren für Schlaganfall.

Bei denjenigen, die im Alter von 30 Jahren mehr als fünf Stunden Sport getrieben hatten, sich im Alter von 60 aber nur noch eine Stunde oder weniger bewegten, erhöhte sich das Risiko auf 49%. Doch wer im Alter von 60 Jahren ein Stunde am Tag flott marschierte oder mit dem Fahrrad fuhr, bekam im Vergleich zu denen, die sich kaum bewegten, um 13% seltener Vorhofflimmern.

Die Kardiologen meinen nun, dass körperliche Bewegung jedem von uns grundsätzlich gut tut. Aber die Intensität und Dauer des Trainings seine kritische Faktoren, die es zu beachten gelte. Und wie bei Medikamenten auch, könne eine Überdosis schädlich sein. Für Herz und Kreislauf scheine es den meisten Nutzen zu bringen, wenn man das Training in wohldosierten - oder moderaten - Dosen verabreiche.

Berliner Ärzteblatt 14.05.2014/ Quelle: Heart 2014

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